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Conti steht vor nächstem Wandel
 

150 JAHRE - Reifenhersteller zu einem der größten Autozulieferer gewachsen

War Continental mal ein Start-up? Das mag historisch gesehen etwas zu „hip“ klingen – aus Sicht der Gründer 1871 jedoch könnte der Modebegriff beinahe zutreffen. Im damaligen Kautschuk- Boom versuchten auch kleine Firmen, den natürlichen Rohstoff aus den Tropen für Gummiprodukte zu nutzen. Bald ging es darum, im Industriemaßstab zu fertigen. Die Reifen aus Hannover bildeten den Grundstock für einen weltweit verzweigten Konzern. Er wird am heutigen Freitag 150 Jahre alt.

 

Zum Jubiläum setzt die Chefetage auf eine Erzählung nach dem Motto „Der Wandel ist die einzige Konstante“. Die Conti-Geschichte ist in der Tat voller Brüche und Neuorientierungen. Manchmal bedingt durch externe Schocks, manchmal angestoßen durch die Reaktionen auf interne Defizite. Daraus sollen sich Lehren ableiten lassen – jetzt, wo der zweitgrößte deutsche Autozulieferer mit knapp 38 Milliarden Euro Jahresumsatz und 236 000 Beschäftigten vor der nächsten, wohl größten Transformation steht. Auch in der Region dieser Zeitung arbeiten Tausende in Werken für Conti: etwa in Korbach, Northeim oder Hann. Münden.

 

Mehrfach schon habe man eine „neue Continental“ ausrufen müssen, bilanziert das Dax-Mitglied heute. Der erste Umschwung kommt, als der Chemiker Adolf Prinzhorn ab 1874 die Reifenherstellung professionalisiert. Fahrräder sollen auf Luftschläuchen rollen, die Verarbeitung der Kautschuk muss dafür verfeinert werden. Die Ressource war allerdings unter Kontrolle Großbritanniens als dominierender See- und Handelsmacht.

 

Auch das Deutsche Reich will mehr Zugriff auf das Grundmaterial. Der US-Erfinder Charles Goodyear – Namensgeber des Konkurrenten – hatte lange vorher Fortschritte in der Kautschuk- Härtung gemacht: Seine Technik der Vulkanisation war in den späten 1830ern gereift. Es war die Geburtsstunde der Reifenchemie. Conti hinkt anfangs hinterher. Methoden werden erforscht, um den Naturstoff künstlich nachzubilden. Ein Hintergedanke im Zeitalter des Imperialismus: möglichst viel Synthesekautschuk für die Armeen herzustellen.

 

Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg sehen die Hannoveraner als Phase des Durch-bruchs zum Autoreifen-Hersteller. Erste Profilmodelle entstehen. Später erweitern Freizeitartikel wie Gummiboote das Produktangebot. Die Weltwirtschaftskrise 1929 trifft Conti hart. Mit Hitlers Machtergreifung 1933 beginnt schließlich das dunkelste Kapitel. Wegen der auch militärisch wichtigen Gummiproduktion wandelt sich der Konzern zum NSMusterbetrieb, in dem bis 1945 Tausende Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter ausgebeutet werden. Im Sommer 2020 stellte Conti eine Auftragsstudie zur Aufarbeitung dieser Zeit vor. Sie ergab ein erschreckendes Bild.

 

Die Wirtschaftswunderjahre der 50er und frühen 60er verschläft Conti. Der französische Wettbewerber Michelin beherrscht die Szene. Contis Versuch von Bündnissen mit Dunlop oder Pirelli geht schief. Ab den späten 70ern kommen solidere Zukäufe oder Beteiligungen. Der eigentliche und bis heute nachwirkende Technologiesprung beginnt in den 90ern ein: Neben Reifen und Maschinen setzt Conti auf Autotechnik wie Antriebe, Fahrwerke, Steuergeräte oder Sicherheitssysteme. Mit Milliardenzukäufen macht sich Conti in der Branche breit.

 

Das „Automotive“-Geschäft, dessen Antriebsbereich jetzt zum größten Teil in die börsennotierte Firma Vitesco abgespalten ist, hebt die Niedersachsen auf ein Niveau mit Global Playern wie Bosch, ZF, Magna, Denso oderSchaeffler. Wie es weitergeht, ist vorgezeichnet: alles auf Elektromobilität und Digitalisierung. CO2-ärmere oder gar -neutrale Antriebe, das autonome Fahren, ein zunehmender Einsatz von Sensorik und eigener Softwareentwicklung sollen die Triebkräfte der Zukunft sein.

 

Dass dieser jüngste Umbruch auch Schmerzen auslöst, scheint nicht vermeidbar – selbst wenn die Führung versucht, Zehntausenden gestrichenen oder „veränderten“ Stellen eine Weiterqualifikation der Belegschaft entgegenzusetzen. Der neue Chef Nikolai Setzer, seit Ende 2020 am Lenker, hält die Kürzungen für „sehr bitter“, sieht aber Chancen: „Die Software macht den Unterschied.“

 

Pressemitteilung, 08.10.2021.

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