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K+S sieht sich im Aufwind
 

Kali- und Düngemittelkonzern will Geschäft robuster machen

Die Aussprache mit Lob und Tadel für das Management fiel aus, ebenso das Treffen im Saal: Wie schon 2020 hielt der Kasseler Kaliund Düngemittelkonzern K+S seine Hauptversammlung am Mittwoch coronabedingt online ab.

 

„Wir werden unser Bestandsgeschäft noch robuster machen“, versprach Vorstandschef Burkhard Lohr den Anteilseignern – in der Spitze hatten sich 557 von ihnen zugeschaltet. Schon in zwei Jahren solle jedes Werk auch bei niedrigen Kalipreisen einen freien Cashflow verdienen, Geld also, das nach Ausgaben, Zinszahlungen und Investitionen in der Kasse bleibt. Zugleich betonte Lohr: „Alle deutschen Standorte liefern positive Ergebnisbeiträge ab.“

 

Doch der Konzern will nicht nur die Standorte auf noch mehr Kostenbewusstsein trimmen, sondern nimmt sich auch die Produktpalette vor. Erfolg verspricht nach Worten Lohrs etwa der Ausbau der Flüssigdüngung, die sparsam mit Wasser und wasserlöslichen Mineralien umgeht, und der Erweiterung des Spezialitätengeschäfts. Die Salzsparte sieht weitere Chancen im Einsatz für Pharmazie, Nahrungsmittel und Wellnessprodukte.

 

Der Konzern hat seine Salztöchter in Nord- und Südamerika für 2,6 Milliarden Euro an das US-Unternehmen Stone Canyon Industries abgegeben, was mehr der Not geschuldet war als der Strategie. „Der Verkauf war notwendig, um Schulden abzubauen“, sagte Finanzvorstand Thorsten Boeckers. Die Verbindlichkeiten waren durch den Bau des kanadischen Kaliwerks Bethune stark gestiegen. Dieses lieferte 2020 zwei Millionen Tonnen Kali.

 

Hohe Erwartungen setzt der Konzern auf Reks, ein gemeinsam mit der Remondis- Tochter Remex aus der Taufe gehobenes Entsorgungsunternehmen. Insgesamt 290 Millionen Euro fließen K+S bar und als Buchgewinn durch die Einbringung seiner Anteile in das Unternehmen zu. Zudem eröffne Reks K+S den Zugang zu Material für die Abdeckung der Kali-Abraumhalden. Deren Erweiterung an den Standorten Wintershall und Zielitz ist bereits genehmigt. Die Erlaubnis, Salzabwasser unter Tage einzulagern, steht noch aus.

 

Der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz forderte vor der Hauptversammlung K+S erneut auf, den Antrag auf Salzeinleitung in die Werra zu ändern. Mehr als 300 Fragen hatten die Aktionäre im Vorfeld des Treffens gestellt, auch die nach der Dividende. Nach einem Konzernverlust von 1,8 Milliarden Euro 2020 gehen die Anteilseigner dieses Jahr leer aus. Am Vortag hatte der Konzern seine Gewinnprognose für 2021 auf 500 bis 600 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern (Ebitda) angehoben. Derzeit kündigt das Unternehmen eine – letztlich nicht in Anspruch genommene – Kreditlinie der staatlichen Bank KfW, die es als Coronahilfe beantragt hatte. Danach ist K+S wieder zur Dividendenzahlung berechtigt.

 

Trost für die Aktionäre: Auch der Aufsichtsrat tritt kürzer. Die Hauptversammlung strich die Festvergütung für die Mitglieder des Kontrollgremiums von 100 000 Euro auf jährlich 65 000 Euro zusammen. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter erhalten das Doppelte beziehungsweise Eineinhalbfache. Eine gleichzeitige Erhöhung der Vergütung der Ausschussarbeit macht die Einbuße nicht wett. Die Aktionäre, die 24,6 Prozent des Grundkapitals vertraten, entlasteten Vorstand und Aufsichtsrat.

 

Pressemitteilung, 13.05.2021.