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Bester Azubi mit Migrationsgeschichte
 

SMA-Mitarbeiter und Konzern erhalten Auszeichnung

Hedayatullah Tajik hat sich durchgebissen: Im Herbst 2015 floh der gebürtige Afghane mit seiner Schwester aus dem Iran nach Deutschland. Er belegte einen Sprachkurs, holte seinen Hauptschulabschluss nach und begann 2017 eine Ausbildung beim Niestetaler Solarkonzern SMA. Nur gut fünf Jahre nach seiner Flucht ist der 24-Jährige jetzt zum besten Azubi mit Migrationsgeschichte gekürt worden.

 

Der inzwischen fertig ausgebildete Elektroniker für Systeme und Geräte erhielt den vom BildungsWerk in Kreuzberg (BWK) und dem Verband der Migrantenwirtschaft (VMW) ausgelobten Preis für seine herausragende Ausbildungs-Leistung und sein Engagement für die Gesellschaft. Ausgewählt wurde er aus mehr als 200 Auszubildenden aus ganz Deutschland mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund, die sich an dem erstmalig ausgeschriebenen Wettbewerb „Vielfalt in der Ausbildung“ beteiligt hatten. „Das macht mich sehr stolz“, sagt Tajik.

 

Die Ausbildung bei SMA sei ein echter Glücksfall für ihn gewesen. „Es war anfangs schon schwierig für mich. Es gab viele sprachliche Probleme. Vor allem in der Schule war es nicht leicht, so schnell mitzukommen“, sagt Tajik. SMA unterstützte ihn, etwa mit wöchentlichen Nachhilfestunden.

 

„Auch mein Ausbilder war sehr nett. Er hat mir und den anderen Auszubildenden mit Migrationshintergrund Fachbegriffe zum Teil mit Händen und Füßen erklärt, ist mit uns die Prüfungsfragen durchgegangen und hat mehr Zeit investiert, als er es hätte tun müssen.“ Das trug Früchte: Tajik konnte seine Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen. Mitte 2020 schloss er sie mit Bestnote ab und wurde direkt übernommen. Bei der Konzerntochter SMA Sunbelt Energy arbeitet er heute in der Entwicklung großer Batteriespeicher. Parallel zum Job absolviert er derzeit eine Weiterbildung zum Netzwerktechniker.

 

Doch den Preis hat Tajik, der vor seiner Flucht im Iran als Fotograf gearbeitet hat, nicht nur für seine Leistungen in der Ausbildung, sondern auch für sein gesellschaftliches Engagement bekommen. In seiner Freizeit unterstützt der Hobby-Fußballer Migranten, unter anderem als qualifizierter Laien- Dolmetscher. Außerdem kandidierte er bei der jüngsten Wahl für den Ausländerbeirat.

 

„Es hat auf jeden Fall den Richtigen getroffen“, sagt SMA-Ausbildungsleiterin Cindy Wolf-Rockstroh. „Hedayatullah ist in ein fremdes Land gekommen, musste Sprache, Schrift, Kultur und Beruf neu lernen. Dass er das in so kurzer Zeit geschafft hat, ist bewundernswert.“

 

SMA habe sich 2016 ganz bewusst dafür entschieden, Auszubildende mit Flüchtlingshintergrund einzustellen, sagt Wolf-Rockstroh. „Wir wollten diesen jungen Menschen eine Chance geben. Ich kann nur Positives berichten und an andere Unternehmen appellieren, das auch zu tun.“

 

Ohnehin ist SMA ein multikulturelles Unternehmen. Mitarbeiter aus 54 verschiedenen Nationen sind dort beschäftigt. Für sein Engagement wurde der Konzern beim Wettbewerb „Vielfalt in der Ausbildung“ als beispielhafter Ausbildungsbetrieb für Menschen mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund ausgezeichnet.

 

„Ich liebe, was ich mache. Ich habe Freunde gefunden und mir ein neues Leben aufgebaut“, sagt Tajik. Was nach einer Integrations-Geschichte wie aus dem Bilderbuch klingt, hat einen Makel. Denn Tajiks Asylantrag wurde abgelehnt. Gegen die Entscheidung hat er geklagt. Derzeit hat er den Status eines Asylsuchenden mit einer Aufenthaltsgestattung, die auf jeweils sechs Monate befristet ist.

 

Tajiks Zukunft in Deutschland ist also ungewiss. „Das ist sehr belastend“, sagt der 24-Jährige. Er hofft, dass ihm nun auch seine Auszeichnung zum besten Azubi mit Migrationsgeschichte hilft und sie wohlwollend in die Entscheidung mit einbezogen wird.

 

Pressemitteilung, 09.04.2021.