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Die Geschichte wiederholt sich
 

Schon vor 29 Jahren war geplante Güterzugtrasse im Norden von Kassel Thema

Der Zeitungsbericht aus dem Jahr 1992 liest sich wie ein einziges Déjà-vu. Am 31. März vor 29 Jahren vermeldete die HNA, dass die Deutsche Bahn nördlich von Kassel ein Gleisstück für schnelle Güterzüge plane. Damals hieß die Trasse zwar noch nicht „Kurve Kassel“, doch sie machte ebenso viele Schlagzeilen wie heute, und der Gegenwind aus der Region war damals ebenso stark wie 29 Jahre später.

 

Die Bedenken waren damals schon die gleichen, die es heute sind. Der damalige Espenauer Bürgermeister Ehrhard Bunzenthal befürchtete, dass „mit der Schnellstrecke für den Güterverkehr mehr Lärm auf die Bürger zukomme“, wie es in dem Artikel heißt. Außerdem werde die Landschaft im Nahbereich des Ortes stark zerschnitten. Bereits im Juni 1992 lehnt dann das Espenauer Parlament den Bau der Güterzugtrasse geschlossen ab.

 

Geändert hat sich seither nur der Name des Bürgermeisters und die Zusammensetzung des Parlaments. Die Sorgen sind die gleichen geblieben und auch das einstimmige und kollektive „Nein“ aus der Politik. Denn auch auf Kreisebene stieß das Projekt auf Ablehnung. Es liege im Interesse der Region, die alte Knotenpunktfunktion Kassels zu erhalten, wird der damalige Landrat Udo Schlitzberger in der HNA im April 1992 zitiert.

 

Und auch die alternative Streckenführung über Altenbeken und Nordshausen, die auch heute immer wieder von Gegnern der Kurve Kassel ins Feld geführt wird, wurde schon damals thematisiert. Da heißt es im März 1992 zu einem Gutachten zum Thema Nahverkehr, dass der Landkreis in Auftrag gegeben hatte, dass diese Spange „zugunsten einer alternativen Güterverkehrsführung über die Strecke Altenbeken- Northeim-Nordhausen aufgegeben werden“ solle. Würde man Artikel aus dem Jahr 1992 und aus 2021 nebeneinanderlegen und die Daten entfernen, man wüsste wohl kaum, was wann geschrieben wurde.

 

Im September 1992 laufen dann die Naturschutzverbände Sturm gegen die geplante Gleisspange und der Fahrgastverband „Pro Bahn“, Regionalverband Westfallen- Lippe, kommt in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass der Bau der Gleisspange Espenau- Speele überflüssig ist. Denn die traditionsreiche Bundesbahnstrecke Paderborn- Altenbeken-Northeim- Nordhausen-Halle sei sehr wohl für schweren Güterverkehr geeignet, heißt es in der HNA am 16. September 1992.

 

Weitere Vorteile seien vor allem die Tatsache, dass diese Strecke 23 Kilometer kürzer sei, als die neu geplante Gleisspange. Somit seien kürzere Fahrzeiten möglich und außerdem könne über diese Strecke eine weitaus größere Kapazität als auf der Neubaustrecke aufgenommen werden. Alles Argumente, wie man sie auch in der heutigen Diskussion um die Alternativstrecke von den Gegnern der Kurve Kassel wieder hört. Interessant wird es dann am 3. April 1993. An diesem Tag berichtet die HNA darüber, dass zwei Tage später die Bahnstrecke Uslar-Northeim nur noch eingleisig verkehrt und schließt folgende Vermutung an: „Mit dem Rückbau auf eingleisigen Betrieb, so die Befürchtungen der Gleisspangen- Gegner, wolle die Bundesbahn nun vollendete Tatsachen schaffen.“

 

Doch der damalige Pressesprecher der Bahn verneint, dass die Bahn auf diesem Weg unverrückbare Tatsachen schaffen wolle. Sollten sich die Vorzeichen ändern, so der damalige Pressesprecher auf Nachfrage der HNA, könne auf dem besagten Abschnitt jederzeit wieder zweigleisiger Betrieb erfolgen. Ein Argument, das die heutigen Gegner der Kurve Kassel aufhorchen lassen wird. Doch im gleichen Artikel hielt der Bahnsprecher dann noch einen Wermutstropfen für die Gleisspangen-Gegner bereit. Als Alternative zur geplanten Trasse Mönchehof-Speele eigne sich die Strecke Altenbeken- Northeim-Nordhausen ohnehin nicht, ließ der Bahnsprecher wissen. Um zwischen Northeim und Nordhausen schwere Güterzüge verkehren zu lassen, seien aus geologischen Gründen Sanierungen in Millionenhöhe erforderlich, was sich einfach nicht rechne.

 

Bereits zwei Monate zuvor, am 3. Februar 1993, hatte die HNA über eine Informationsveranstaltung mit der Deutschen Bahn berichtet. Die Planer der Bahn hatten damals erläutert, dass bisher nur grobe Planungen über den Verlauf der Kasseler Spange vorlägen und von einem zeitlichen Ablauf von circa 20 Jahren für das weitere Verfahren gesprochen.

 

So verwundert es nicht, dass es dann ab 1994 zwar still wurde um das Projekt, es aber ganz offenbar bei der Bahn wohl nie vom Tisch war. Nur seinen Namen hat es seither verändert. Nun liegen – nach fast 30 Jahren – tatsächlich konkrete Pläne vor. Über die genaue Trassenführung entscheidet die Bahn Ende März.

 

Pressemitteilung, 08.03.2021.