Logo Regionalmanagement Nordhessen
Deutsch  Deutsch

Auch Standby-Modus frisst Strom
 

Azubis wurden von der IHK zu Energie-Scouts ausgebildet

 Energie wird teurer und der Umweltschutz nimmt eine zunehmend wichtigere Rolle ein. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg hat nun Auszubildende zu Energie- Scouts ausgebildet. Die Nachwuchskräfte sollen für das Thema Energieeffizienz sensibilisiert werden und Einsparpotenziale in ihren Betrieben identifizieren. Bei Volkswagen in Baunatal wird eine Maschine deshalb jetzt öfter ausgeschaltet.

 

„Nach Einsparmöglichkeiten zu suchen, kann sich für jedes Unternehmen lohnen“, sagt Heiko Dunkelberg, der bei den Städtischen Werken Kassel als Innovationsmanager arbeitet. Der Wirtschaftsingenieur führte die Azubis als Dozent durch den dreitägigen Workshop, der von der IHK angeboten wurde. „Die Azubis sollen zu Multiplikatoren werden, damit sie auch ihre Kollegen und Vorgesetzten für das Thema Energieeffizienz sensibilisieren“, sagt Dunkelberg. Klar sei, dass viele Maßnahmen zunächst einmal Geld kosten. Entscheidender sei aber die Frage, wie viel langfristig gespart werden könne.

 

Den Azubis wurde zunächst Grundlagenwissen vermittelt, berichtet der Dozent. „Wir haben uns die ganze Wandlungskette angeschaut: vom Brennstoff über die Stromerzeugung bis zum Verbrauch.“ Die Möglichkeiten, Energie einzusparen, seien vielfältig und stark abhängig von der Art des Betriebs und wie er Energie verbrauche. „Natürlich ging es auch darum, die Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit möglicher Maßnahmen zu prüfen“, erklärt Dunkelberg.

 

Drei angehende Elektroniker aus dem VW-Werk haben sich für ihr Projekt eine CNCDrehmaschine in ihrer Ausbildungswerkstatt vorgenommen. „Ein paar unserer Ideen mussten wir verwerfen, weil das zu aufwendig gewesen wäre“, berichtet Leon Setkewitz (21). Mit einem Abschaltplan, der nun an der Maschine hängt, „geht es an die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter“. Denn auch im Standby-Modus verbraucht die Maschine Strom. Der Azubi sagt: „Energieeffizienz ist ein Erfolgsfaktor für Unternehmen.“ Erik Seifert (20) freut sich, „dass wir etwas für unseren Betrieb geleistet haben“. Der 19-jährige Ali Sahut denkt schon weiter: „Wir wollen jetzt versuchen, den Abschaltplan in die Maschine einzuprogrammieren, damit sie zu jeder Pause ausgeht und dann keinen Strom mehr verbraucht.“

 

Die drei VW-Azubis haben ausgerechnet, wie viel durch ihren Einfall eingespart wird: fast 40 Euro pro Jahr. Was zunächst nach nicht viel klingt, kann aufs ganze Werk gesehen eine große Wirkung entfalten, sagt Ausbilder Frank Bergmann. „Die Auszubildenden nehmen ihre Ideen und Kenntnisse mit in die Fachabteilungen und leisten somit einen Beitrag zu Energieeffizienz des gesamten Werkes.“

 

Auch zwei Azubis der Kasseler Targos Molecular Pathology GmbH waren dabei und haben eine Analyse des Stromverbrauchs in ihrem Betrieb durchgeführt. „Am Ende kam heraus, dass sich der Austausch funktionierender Geräte nicht lohnen würde. Geht etwas kaputt, wird das zukünftig aber durch eine energiesparende Alternative ersetzt“, berichtet Sascha Ravior, IT-Abteilungsleiter bei Targos – einem Auftragslabor, das Proben aus Studien für die Zulassung von Medikamenten analysiert.

 

Eine Auszubildende der First Energy GmbH aus Kaufungen untersuchte, inwiefern ein neues Dienstfahrzeug Kosten und CO2-Emissionen sparen könnte. Das Dieselfahrzeug des Unternehmens wird nun abgeschafft – vor allem aber wegen wegfallender Dienstreisen. First Energy teilt mit, dass nach Corona Alternativen wie Carsharing stärker in Betracht gezogen werden sollen.

 

„Das Engagement der Azubis war groß und ich habe reflektierte Einschätzungen zu unserer Situation mitbekommen“, resümiert Dunkelberg. „Das Thema Energiewende und ihre Notwendigkeit ist nicht mehr neu.“ Einige Betriebe seien schon auf einem guten Weg und hätten größere Einsparpotenziale bereits gehoben, allerdings gebe es auch viele Verbesserungsmöglichkeiten, etwa bei gewohnten Verhaltensmustern.

 

Pressemitteilung, 05.02.2021.