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„A 44 wird leiser sein als B 7“
 

LÄRMSCHUTZ AN AUTOBAHNEN Wie Hessen Mobil zwischen Kassel und Helsa plant

Große Autobahn- Projekte werden in den nächsten Jahren rund um Kassel in Angriff genommen – der Neubau der A 44 zwischen Kassel-Ost und Helsa, der sechsstreifige Ausbau der A 44 mitsamt der Bergshäuser Brücke zwischen Kassel- Süd und Breuna sowie der sechstreifige Ausbau der A 49 zwischen Baunatal und Kassel- Auestadion. In unserer Serie werfen wir zunächst ein Blick auf das Thema Lärm beim geplanten A 44-Abschnitt zwischen Kassel- Ost und Helsa.

 

Lärmvorsorge

 

Wenn eine Straßenbaubehörde wie Hessen Mobil zum Beispiel die Planung desA 44-Abschnitts zwischen Kassel-Ost und Helsa in Angriff nimmt, „ist aktiver Lärmschutz ein Aspekt, der sich durch die gesamte Planung zieht“, sagt Ralf Struif, Planungsdezernent bei Hessen Mobil. Besonders strenge Regeln gelten, wenn eine Autobahn komplett neu gebaut wird. „In solch einem Fall besteht der Anspruch auf Lärmvorsorge“, ergänzt Anita Feder-Krantz, Leiterin des Kompetenzzen-trums Immissionsschutz bei Hessen Mobil. Lärmvorsorge sei etwas anderes als Lärmsanierung an bereits bestehenden Autobahnen. Während Lärmsanierung eine freiwillige Leistung des Bundes oder des Landes darstelle, sei Lärmvorsorge verpflichtend. Lärmvorsorge greife immer bei Neubauten oder bei tief greifenden Erweiterungen einer Autobahn von zum Beispiel vier auf sechs Fahrstreifen – so wie jetzt bei der A7 zwischen Kassel-Süd und Kassel-Ost.

 

Lärmbestimmung

 

Bei der Lärmbestimmung greifen die Planer auf mathematische Verfahren zurück, die durch die „Richtlinien für Lärmschutz an Straßen“ festgelegt werden. Zu erwartende Lärmemissionen werden also nicht gemessen, sondern berechnet. Der Vorteil dabei: Für jede Form der Lärmerzeugung im Straßenverkehr gibt es physikalische Größen, wie das Reifengeräusch auf der Straße, das Windgeräusch eines schnell fahrenden Autos oder auch die Verkehrsmenge. Ferner spielen die örtliche Topografie (Steigung, Gefälle) wie auch der Immissionsort, also jener Ort, an dem der Schall ankommt, eine Rolle (zum Beispiel der Gebäudeabstand zur Lärmquelle, die Gebäudehöhe und -ausrichtung). All diese Parameter lassen sich zu einem Gesamtbild des Lärms vor Ort addieren. Bei einer realen Lärmmessung hingegen könnten Umgebungsgeräusche das Messergebnis verfälschen. Auch muss die Verkehrsmenge zum Zeitpunkt der Messung nicht repräsentativ gewesen sein. „Deshalb sind reale Lärmmessungen für die Lärmbestimmung auch nicht zulässig“, sagt Feder-Krantz.

 

Lärmgrenzwerte

 

„Lärm ist jede Art von Schall, der stört, belästigt oder die Gesundheit beeinträchtigen kann“, definiert die Weltgesundheitsorganisation WHO. So gibt es gesetzlich festgelegte Grenzwerte, die eingehalten werden müssen, um genau diese Beeinträchtigungen auszuschließen. Bei der Lärmvorsorge, die beim Neubau derA 44 zwischen Kassel- Ost und Helsa greift, dürfen zum Beispiel entlang von Wohngebieten bei Helsa und Kaufungen Lärmpegel von 59 Dezibel A tagsüber und 49 Dezibel A in der Nacht nicht überschritten werden. Entlang von Gewerbegebieten darf es hingegen lauter sein.

 

Lärmschutz an der A 44

 

Um nun planen zu können, wo genau und wie hoch eine Lärmschutzwand oder ein Lärmschutzwall zur Einhaltung von Grenzwerten gebaut werden muss, wird zunächst der Lärm wie beschrieben berechnet. Hessen Mobil hat das schon vor einigen Jahren gemacht, und zwar gemäß der Richtlinien für Lärmschutz an Straßen aus dem Jahr 1990. Dabei flossen Zahlen einer Verkehrsprognose bis 2030 ein, die sich auch aus Daten einer 2015 durchgeführten Straßenverkehrszählung speist. Im Ergebnis zeigte sich, dass an vielen Stellen bei Kaufungen und Helsa Lärmschutzmaßnahmen ergriffen werden müssen – so zum Beispiel auf sämtlichen Brücken (siehe Grafik), auf die nach bisheriger Planung nun bis zu 4 Meter hohe Schutzwände gebaut werden müssen. Im Verlauf der A 44 südlich vorbei an den Wohngebieten von Nieder- und Oberkaufungen sowie bei Helsa werden Erdwälle bis zu 13,5 Meter Höhe aufgeschüttet. An anderen Stellen, dort, wo es die Topografie erlaubt, wird die A 44 bis zu 10 Meter tief unter Geländeniveau in den Hang hineingegraben. „Solche trogartigen Trassenquerschnitte verhindern eine Verlärmung des Lossetals besonders effektiv, weil der Lärm nach oben abgestrahlt wird“, sagt Struif. Insgesamt übertreffe der geplante Lärmschutz entlang der A 44 sogar die gesetzlichen Vorgaben.

 

Pressemitteilung, 27.10.2020.