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Der Wandel riecht auch anders
 

Im VW-Werk ändern sich mit der neuen Antriebstechnik die Arbeitsplätze

Im VWWerk Kassel in Baunatal ändert sich der Umgang mit Mobilität rasant. Der Standort mit 16 500 Beschäftigten ist als Leitwerk E-Mobilität im Volkswagen-Konzern mit Vollgas mit dabei auf dem Weg weg von der Verbrennungstechnik hin zum Elektroantrieb. Mit der von VW betitelten „Transformation“ ändern sich nicht nur die in der Fabrik gefertigten Produkte, sondern auch die Arbeitsplätze und die Aufgaben.

 

Dorothea Schwalm hat zwölf Jahre Handschaltgetriebe im Werk Kassel gebaut, „das MQ 350 und das MQ 500“. Auch als Instandhalterin für die Fertigungslinien im Getriebebau war sie sechs Jahre zuständig. Handschaltgetriebe werden allerdings von den Kunden immer weniger gewünscht. Das hat die 43-Jährige aus Homberg nachdenklich gemacht. „Die Stückzahlen sind rückläufig“, sagt sie. Auf eigenen Antrieb habe sie sich deshalb Anfang des Jahres für einen Wechsel zur E-Motoren-Fertigung in der Halle 1 vorgestellt. „Ich habe schon immer davon geträumt.“ Der Bereich, in dem bald bis zu 500 000 Elektromotoren jährlich für den ID.3 und den ID.4 entstehen sollen, habe sie interessiert. Der Absprung aber vom Gewohnten – „das ist erst mal ein ganz komisches Gefühl“, beschreibt die 43-Jährige die Situation. „Aber ein neues Produkt ist einfach interessant.“

 

Schwalm räumt ein, dass jeder, der die neue Welt desE-Motors in der Halle 1 betritt, „viel dazulernen muss“. Vieles läuft mittlerweile digital. Sei sie früher mit Werkzeugkoffer und Messgerät zur Instandsetzung der Maschinen losgezogen, habe sie inzwischen den Laptop auf dem Rollwagen mit dabei, erläutert Schwalm. Am Einsatzort angekommen werde als allererstes der Netzwerkstecker in die Anlage gesteckt. „Dann geht es los.“

 

Und sind alle Kollegen aus dem Getriebebau von den Wechselangeboten begeistert? Einige, sagt die Instandhalterin, seien skeptisch gewesen – „vor allem einige Ältere“. Letztendlich seien aberalle froh, den Schritt gewagt zu haben.

 

Und auch beim Führungspersonal geht der Konzern neue Wege. Der Mensch soll bei der Transformation nicht auf der Strecke bleiben. Cornelia Richter beispielsweise ist als Unterabteilungsleiterin für den Arbeitsplatzwandel im Baunataler Werk zuständig. Die 36-Jährige kommt nicht – wie viele ihrer Vorgänger – aus einem technischen Studium zu der Leitungsfunktion bei Volkswagen. „Ich habe einen geisteswissenschaftlichen Abschluss“, berichtet sie selbstbewusst. Und ergänzt noch: „Neben dem technischen Wissensanteil gibt es die menschliche Komponente.“

 

Damit sich Beschäftigte aus den traditionellen Fertigungsbereichen an die neue Welt gewöhnen können, habe es die Möglichkeit eines sechswöchigen Probearbeitens gegeben, erläutert die Berlinerin, die seit einem knappen Jahr in Kassel lebt. Besonders die Instandhalter, wie auch Dorothea Schwalm, seien von der Transformation betroffen, betont Richter. Schließlich müssten die nicht nur das jeweilige Produkt kennen, „sondern die gesamten Fertigungstechnologien – im Fall der E-Motoren-Produktion beispielsweise die Wickeltechnik des Kupferdrahtes im Stator. Und so hält sie für ihre Mitarbeiterin noch ein dickes Lob bereit und sagt: „Doro ist für mich ein Beispiel, wo es gut funktioniert hat.“

 

Dorothea Schwalm kommt dann noch mal auf die Veränderung in ihrem Lebenslauf zu sprechen. In der Halle 1 rieche es nicht nur anders als im Getriebebau, sagt sie. „Das ist eine andere Welt hier. Das ist der Wahnsinn.“

 

Pressemitteilung, 26.10.2020.