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Käfer fährt elektrisch
 

Waldorfschüler haben den Oldtimer in vierjähriger Arbeit umgerüstet

Er läuft und läuft und läuft wie damals – doch statt mit lumpigen 34 PS bei über zehn Litern Spritverbrauch schnurrte der 39 Jahre alte VW Käfer nun vollelektrisch und nahezu lautlos über den Flughafenparkplatz in Calden. Schüler der Freien Waldorfschule Kassel haben den Oldtimer in vierjähriger Arbeit zum E-Mobil umgebaut. Während und nach ihrer schulbegleitenden Ausbildung zu Industriemechanikern haben sie mehr als 1000 Arbeitsstunden in das Projekt investiert. Nun ist der E-Käfer fahrtauglich und vorführbereit. Das feierten die jungen Erbauer, von denen Leonard Kugel und Andrew Hajek bis zum Schluss beteiligt waren, auf dem Airport-Gelände mit vielen Gästen aus der Schulgemeinde und zahlreichen Sponsoren. Die hatten, vermittelt vom Berufsbildenden Gemeinschaftswerk der Waldorfschule, neben dem nötigen Know-How rund 20 000 Euro an Geld- und Sachspenden beigetragen, damit der Traum vom Elektro-Käfer Wirklichkeit werden konnte.

 

Dabei hoben die 19-jährigen Konstrukteure vor allem die Kasseler Firma German ECars Technology hervor, bei der sie zuletzt nahezu täglich ein- und ausgingen. Dort habe er „mindestens so viel gelernt wie in zwölf Jahren Schule“, sagte Leonard Kugel. Die Firma Glinicke hatte den Jungs ihre Classic-Cars- Werkstatt geöffnet; dort wurden kurz vor der Präsentation noch Fahrwerksprobleme ausgebügelt. Nicht verwunderlich, wenn man die gewaltigen Batterie- und Steuertechnikkästen betrachtet, die in dem VW-Oldie den gesamten Rücksitzbereich und den Raum unter der vorderen Haube ausfüllen.

 

Damit kommt der Käfer nun auf gut 80 elektrische Pferdestärken, das Drehmoment eines modernen Kompaktwagens und eine Batterie- Reichweite von 150 bis180 Kilometern. Das nimmt sich bescheiden aus gegenüber dem brachialen Elektro- Schub des nagelneuen Porsche Taycan, den die Firma Glinicke zu Vergleichszwecken bei dem Event aufgefahren hatte.

 

Doch der Sieger der Herzen bei den Testfahrten auf dem abgesperrten Parkplatzgelände war eindeutig der Waldorf- Elektro-Käfer. Alle drängten sich um das originelle Gefährt, öffneten Türen und Klappen und begutachteten die technischen Einbauten.

 

Trotz des Prototypen-Looks gab es ein rotes Kennzeichen von der Zulassungsstelle, womit die Verkehrssicherheit schon mal bescheinigt ist. Laut Leonard Kugel und Andrew Hajek soll der E-Käfer nun aber auch eine TÜV-Einzelabnahme bekommen, damit er auch offiziell über die Straßen schnurren kann.

 

Einen besonderen Dank richteten die Erbauer an den Waldorf-Physiklehrer Bukhuti Tsanava, der seinerzeit den Anstoß zu dem Elektromobil-Projekt gegeben hatte. Seine nostalgisch-schicke Lackierung hat der Käfer bei der Lokbaufirma Bombardier bekommen. Auch die Firmen Esterer, DruKon, Maschinenbau Albert Koch, Kirix, Welscher, SRE, Nähler Gastro, die Volksbank Kassel-Göttingen und die Volkswagen AG unterstützten das Projekt. 

 

Pressemitteilung, 30.06.2020.