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Conti wirbt für Wasserstoff
 

Chef Degenhart: Brennstoffzelle auch für kleine Pkw möglich

Klimaschonende Brennstoffzellen-Antriebe müssen nach Ansicht von Continental-Chef Elmar Degenhart deutlich stärker auch für den Einsatz in kleineren und günstigeren Autos gefördert werden. „Dass man von politischer Seite Milliarden in den Komplex Wasserstoff investieren will, begrüßen wir“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Autozulieferers zur neuen Strategie der Bundesregierung. Nötig sei aber ein breiterer Einschluss von Pkw. Im Verkehr sei diese Technik bisher eher eine „Nische für Nutzfahrzeuge“ gewesen.

 

„Wir glauben, dass sie in etwa acht, neun Jahren mit dem batterieelektrischen Pkw-Antrieb vergleichbar sein könnte – unter Umweltgesichtspunkten und bei den Kosten“, sagte der Chef des Dax-Konzerns aus Hannover. „In schwereren Pkw und auf längeren Strecken wird die Brennstoffzelle dem Elektroantrieb künftig sogar überlegen sein“, so Degenhart. In der Brennstoffzelle reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff, wobei Strom erzeugt wird.

 

Als Produkt entsteht Wasser. Der Bund will Investitionen in Wasserstofftechnologien mit Milliarden bezuschussen und setzt sich für mehr Koordination in der EU ein, um den CO2-Ausstoß zu senken. Laut Konzept kann „auch in bestimmten Bereichen bei Pkw der Einsatz von Wasserstoff eine Alternative sein“. Zur Gewinnung von Wasserstoff ist zunächst selbst viel Energie nötig, etwa bei der umgekehrten Aufspaltung von Wasser (Elektrolyse). Daher ist es aus ökologischer Sicht zentral, dass dafür ein möglichst hoher Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen verwendet wird. Bezogen auf den Gesamtaufbau sei der Brennstoffzellen- Antrieb einigen Verbrennern recht ähnlich, sagte Degenhart. Er könnte somit auch angesichts des schwierigen Wandels von Benzin- und Dieselmotoren zu alternativen Antrieben eine wichtige Rolle für zukunftsfeste Jobs in der Autobranche spielen: „Mit Blick auf die hierzulande vorhandenen, technologischen Kompetenzen und damit auf die Beschäftigung ist er sinnvoller als die batterieelektrische Variante.“

 

Länder wie Japan, Südkorea oder China hätten die Chancen erkannt. „Bei uns dagegen besteht jetzt zusätzlich die große Gefahr, dass die E-Ladeinfrastruktur später so weit entwickelt ist, dass die Bereitschaft, eine zweite Infrastruktur für Wasserstoff aufzubauen, nicht mehr vorhanden ist“, sagte der Chef des zweitgrößten Zulieferers der Welt. Dabei habe herkömmliche Lithium-Ionen- Technik bei E-Autos „physikalisch bedingte Grenzen, die verhindern, dass wir uns dem Kostenniveau eines modernen Verbrenners nähern“. Weite Teile der Politik und Industrie setzten dennoch fast alles auf diese klassische Batterieart. Bei Batterieantrieben sei „ein Technologiesprung“ nötig, so Degenhart. Aber Festkörper-Batterien aus anderen Materialien mit einer höheren Energiedichte seien im Industriemaßstab vor dem Jahr 2030 nicht realistisch.

 

Pressemitteilung, 18.06.2020.