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VOR 25 JAHREN fuhr die Straßenbahn zum ersten Mal ins Baunataler Zentrum
 

Um kurz nach halb 11 kam sie an

Für viele Bürger ist die wichtige Verbindung zwischen den beiden Städten längst nicht mehr wegzudenken, heißt es vonseiten der Stadt Baunatal. Die Linie 5 transportiert laut der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) rund 7,6 Millionen Menschen jährlich von und nach Kassel. 5,5 Kilometer lang ist die Strecke von der Haltestelle Mattenberg bis zur Endhaltestelle Bahnhof Großenritte, deren Bau damals rund 33 Millionen DMark kostete. 3,3 Kilometer davon sind eingleisig und führen von Beginn an über die ehemalige Eisenbahnstrecke Richtung Naumburg.

 

Bis auf Kleinigkeiten ist alles fertig, verkündete Manfred Beinhauer, damaliger Bauchef der federführenden KVG, am 25. Mai 1995 in der HNA, also zwei Tage vor der Einweihung der Bahnstrecke. Den letzten Schliff erhielt lediglich noch die Haltestelle Stadtmitte am ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof – mit dem prägnanten Dach galt sie als das Schmuckstück unter den sieben Haltestellen zwischen Kassel-Mattenberg und Baunatal-Großenritte, laut Beinhauer „städtebaulich sehr schön eingebunden“.

 

Besonders an dem Projekt war und ist, dass Straßenbahn und Güterzüge sowie der Hessencourrier auf der Strecke zwischen Altenbauna und Großenritte auf denselben Gleisen fahren – damals eine Neuheit in Hessen. Dafür mussten mit Blick auf den Doppelbetrieb von Eisenbahn und Tram vorab rechtliche Fragen geklärt und die Strecke vom Eisenbahnbundesamt abgenommen werden. Vorab wurde für rund fünf Millionen D-Mark ein neues Stellwerk im Bahnhof Altenbauna gebaut, damit der Gemeinschaftsbetrieb von Straßen- und Eisenbahn gesteuert werden konnte.

 

Am 27. Mai 1995 wurde die neue Straßenbahnstrecke eingeweiht – rund 3000 Schaulustige fanden sich dafür an der Haltestelle Stadtmitte ein. Das FSK-Orchester Lohfelden spielte zur Begrüßung auf und die Baunataler erwarteten den Einzug der Straßenbahn mit Fähnchen und Luftballons für die Kinder und Bier und Bratwurst für die Erwachsenen. „Die Stimmung ist riesig. Die Haltestelle als siebte Bühne des Stadtfestes. Zauberer und Bewegungskünstler mit einer riesigen Drachenfigur mischen sich unters Volk“, hieß es damals in der HNA.

 

1994, als die Strecke an der damaligen Haltestelle Porschestraße – heute Haltestelle VW-Werk – endete, absolvierte eine Hochflurbahn vom Typ N8C die Jungfernfahrt. 1995, als die Strecke bis Großenritte führte, fuhr dort eine damals hochmoderne Niederflurbahn. „Niederflurbahnen hatten wir seit 1991 im Linienverkehr, damals als erste deutsche Stadt“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad.

 

Um 10.30 Uhr sollte die Straßenbahn damals einfahren – um kurz nach halb elf häuften sich die ungeduldigen Blicke auf die Armbanduhren. Doch dann kam die Tram an und wurde mit einem Straßenfest begrüßt. Mit der Einführung der Straßenbahn gab es in Baunatal einen Fahrplanwechsel, der auch die Busanbindungen neu regelte. Im Juli 1995 wurde Kritik an der Bahnstrecke laut: Anwohner ärgerten sich über den Lärm zwischen den Haltestellen Stadtmitte und Bahnhof Großenritte.

 

Auch volle Bahnen hatten für Unmut und Beschwerden gesorgt, sodass die Taktzeiten angepasst werden mussten. Ansonsten gab es nach einem Jahr, im Frühling 1996, viel Lob für den Ausbau der Bahnstrecke – besonders der 15- Minuten-Takt gefiel den Baunatalern. Das dürfte auch heute noch für viele ein Vorteil der Strecke sein. Im Sommer sollen in Altenbauna Gleise im Bereich der Kleingärten erneuert werden.

 

Pressemitteilung, 18.06.2020.