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Wasserstoff zum Heizen zu schade?
 

Fraunhofer-Institut favorisiert mit grünem Strom betriebene Wärmepumpen

Deutschland will bis 2050 seine klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen, zudem vor allem das Kohlendioxid zählt, im Vergleich zum Stand von 1990 um bis zu 95 Prozent  senken. Eine Schlüsselrolle soll dabei massenhaft aus erneuerbaren Energien hergestellter „sauberer“ Wasserstoff einnehmen. Vor Kurzem stellte dazu auch die Bundesregierung ihre Strategie vor.

 

An sich sei das eine gute Idee, wenn es um den Einsatzbei der Mobilität oder industriellen  Prozessen geht, findet man beim Kasseler Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und   Energiesystemtechnik  IEE. Doch beim Beheizen von Gebäuden sollte man auf Wasserstoff  als Brennstoff verzichten, sagen die Forscher. Dort sei er zuunwirtschaftlich und wenigeffizient. Zu diesem Ergebnisist ein Wissenschaftlerteam des Instituts jetzt im Rahmen einer Auftragsstudie gekommen.

 

Die Wärmeversorgung von Gebäuden ist laut einem Report der Deutschen  Energie-Agentur (dena) von 2018 für mehr als ein Drittel aller Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Dennoch sehen die Fraunhofer-Forscher aus vielen Gründen   keinen Sinn darin, dort Wasserstoff zu verheizen: Unter anderem gehen die Kasseler Wissenschaftler davon aus, dass der Bedarf im Rahmen der Energiewende nicht  annähernd mit dem Strom aus Windkraftanlagen gedeckt werden kann, der für die  Elektrolyse zur Herstellung von Wasserstoff benötigt wird.  80 bis 85 Prozent des Wasserstoffs müssten wohl aus dem Ausland importiert werden, schätzt Jochen Bard, der an der Studiemitgearbeitet hat. Da sich aber viele Länder auf den Weg in die Wasserstoff-Wirtschaft machen, werde das Angebot knapp werden und die Preise steigen. Daneben sei es auch ein enormer finanzieller Aufwand, riesige Elektrolysatoren zu errichten und die Heizkessel in den Gebäuden auszutauschen.

 

Erdwärme nutzen

 

Die Kasseler Forscher favorisieren demgegenüber Wärmepumpen, die die Erdwärme sowie die Umgebungswärme zum Heizen der Häuser nutzen und mit „grünem“ Strom aus Windkraft und Fotovoltaik betrieben werden. Der Mehrbedarf an elektrischer Energie sei kein Problem, da die Stromnetze im Zuge der Energiewende ohnehin ausgebaut werden müssen, sagen  die  Forscher. Für die Erzeugung des Wasserstoffs benötige man 500 bis 600 Prozent mehr Energieals zum Betrieb der Wärmepumpen, um Gebäude zu beheizen und mit Warmwasser zu versorgen, sagt der Institutsleiter Professor Dr. Clemens Hoffmann. „Hier sehe ich 0,0  Perspektive für Wasserstoff in der Wärmeversorgung von Gebäuden“, meint der Wissenschaftler.

 

Hoffmann befürchtet, dass die Diskussion um den Wasserstoff als sauberer Energieträger in die falsche Richtung laufen könne. Es sei verständlich, dass die Erdgas- und Öl-Unternehmen, die momentan den Markt der Wärmeversorgung in Gebäuden nochdominieren, um ihre Absatzmärkte fürchten.

 

Die Beimischung von Wasserstoff zum Erdgas oder die Gewinnung von Wasserstoff aus Erdgas mittels thermischer und chemischer Prozesse (sogenannter blauer, grauer  oder  türkiser Wasserstoff) sei weder eine wirtschaftliche noch eine umweltfreundliche Alternative. Institutsleiter Hoffmann plädiert deshalb dafür, dass sich diese Unternehmen mit ihrer technischen Expertise für die Gewinnung von Erdwärme engagieren sollten.

 

 

Pressemitteilung, 17.06.2020.