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Elektrisches Müllauto im Test
 

Schweizer E-Lastwagen auf Probetour im Landkreis

Möglicherweise rollen im Landkreis Kassel demnächst auch elektrisch angetriebene Müllautos durch die Orte und reduzieren somit Lärm und Umweltbelastung gegenüber den bisherigen Dieselfahrzeugen. Ein entsprechender Test eines Leihfahrzeugs aus der Schweiz hinterließ jedenfalls einen positiven Eindruck.

 

Nachdem der 27 Tonnen schwere Lkw unter anderem in Duisburg, Dortmund, Bochum und Paderborn im Einsatz war, kam er am letzten Tag zum Entsorgungszentrum Hofgeismar, wo zahlreiche Müllfahrzeuge des Landkreises stationiert sind. Von hier startete er zu einer Standard-Sammeltour: 80 Kilometer weit ging es nach und durch Vellmar, wobei in 6,5 Stunden rund 500 Mülltonnen geleert wurden.

 

Am Ende der Stop-and-GoTour war nur knapp die Hälfte der Akku-Kapazität aufgebraucht, stellte Fahrer Jörg Reuse fest, der sich auch freute, dass er sich wegen des geringeren Motorengeräusches sogar mit den Mitarbeitern draußen verständigen konnte, ohne zu schreien. Und das Ladepersonal freut sich, dass an dem Elektrolastwagen vom Typ Futuricum 26E die Haltegriffe am Heck im Winter beheizt werden können und dass es ein Heiz- und Trockenfach für die Handschuhe gibt.

 

Die Ladehydraulik macht zwar nach wie vor Geräusche, doch beim Fahren selbst ist das mit vier Motoren mit insgesamt 680 PS Leistung ausgestattete Fahrzeug kaum zu hören. Deshalb ist es mit einer Straßenbahnklingel ausgestattet.

 

Die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen sei gerade wegen der Dieselverbote in den Städten enorm, erzählt Andreas Schimanski, der für das Europageschäft der Firma Designwerk Products AG in Winterthur verantwortlich und mit dem Leihfahrzeug auf Werbetour ist.

 

Insgesamt vier Prototypen wurde gebaut und im nächsten Jahr will die Firma 50 Neufahrzeuge verkaufen. Ob der Landkreis Kassel tatsächlich ein oder mehrere solcher Fahrzeuge anschafft, wenn das nächste Müllauto ersetzt werden muss, hängt davon ab, wie es sich rechnet, erklärt Uwe Pietsch als Leiter der Eigenbetriebe des Kreises.

 

Ein Fahrzeug kostet rund 500 000 Euro im Vergleich zu den 200 000 Euro eines vergleichbaren Diesel-Lkw. In der Nutzungszeit von rund zehn Jahren kann man aber auch 175 000 Euro Treibstoffkosten einsparen. Und Strom wird im Entsorgungszentrum in Hofgeismar per Fotovoltaik schon lange selbst produziert, sogar deutlich mehr als verbraucht werden kann. Dort sind bereits zwei Pkw mit Elektroantrieb und zwei E-Scooter im Einsatz.

 

HNA, 09.10.2019 von Thomas Thiele