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Ein halbes Jahrhundert im Job
 

Siegfried Sitte für 50 Jahre Betriebszugehörigkeit im Kasseler Mercedes-Benz Werk geehrt

Dass er bereits 50 Jahre arbeitet, sieht man Siegfried Sitte wahrlich nicht an. „Sport hält jung“, sagt der 64- Jährige, der fast genauso lange Handball beim TSV Wolfsanger gespielt hat, wie er im Mercedes-Benz Werk Kassel schafft. Bereits im Alter von 14 Jahren hat der gebürtige Kasseler seine Ausbildung zum Kfz-Schlosser begonnen – damals noch bei Rheinstahl Henschel. Jetzt wurde er, gemeinsam mit 56 Kollegen (siehe Die Geehrten), für ein halbes Jahrhundert Betriebszugehörigkeit geehrt.

 

„Ich bin einer, der gerne zupackt“, sagt Sitte über sich selbst. Als er 1968 eine Ausbildung beginnen wollte, waren seine Eltern zunächst skeptisch. „Sie wollten, dass ich noch zur Schule gehe. Aber ich wollte lieber mit den Händen arbeiten“, erinnert er sich. Schon damals schraubte Sitte gerne an Autos herum – da war die Ausbildung zum Kfz-Schlosser genau das richtige. „Es war eine gute Lehre“, sagt Sitte rückblickend. „Schmieden, Fräsen, Drehen – ich habe alles gelernt.“ Den Schritt habe er nie bereut.

 

Eigentlich hätte seine Ausbildung dreieinhalb Jahre gedauert, aber Sitte konnte seine Lehre bereits ein halbes Jahr früher abschließen. Zu diesem Zeitpunkt war Rheinstahl schon zur Hanomag-HenschelFahrzeugwerke GmbH zusammengelegt worden. 1969 hatte die damalige Daimler-Benz AG zunächst 51 Prozent der Anteile der zusammen mit Rheinstahl neu gegründeten Hanomag-Henschel Fahrzeugwerke übernommen, und schon bald darauf 100 Prozent. „Ich habe in einem Werk drei Firmen überlebt“, sagt Sitte augenzwinkernd.

 

In den vergangenen 50 Jahren hat er im Werk unterschiedlichste Aufgaben – über Reparaturen bis hin zum Autobau. „So wurde es nie langweilig“, sagt der verheiratete Vater eines Sohnes. Als die Verzahnungsfertigung vom MercedesWerk im baden-württembergischen Gaggenau nach Kassel ausgelagert werden sollte, arbeitete Sitte ein Jahr im dortigen Werk. „Dann hab ich die Verzahnung mit nach Kassel gebracht und mit aufgebaut“, sagt er nicht ohne Stolz.

 

Heute arbeitet Sitte als Radsatzprüfer. Seine Identnummer ist die 14. Sie wird in jedes von ihm geprüfte Teil eingraviert. „So ist mein Name auf der ganzen Welt unterwegs“, scherzt der 64-Jährige, der auch 20 Jahre als Gruppensprecher Bindeglied zwischen seinen Kollegen und den Vorgesetzten war.

 

Leichter und sauberer sei die Arbeit im Laufe der Zeit geworden, resümiert er. Aber auch stressiger. „Im Werk wird rund um die Uhr gearbeitet. Das zehrt schon an den Menschen“, glaubt Sitte. Auch den starken Zusammenhalt von früher vermisst er. „Heute gibt es mehr Einzelkämpfer.“ Ein Wechsel des Arbeitgebers kam für ihn nie in Betracht. „Wenn man mit dem Umfeld zufrieden und mit sich selbst im Reinen ist, dann bleibt man auch“, sagt Sitte. Sein langes Arbeitsleben sei nur mit der Unterstützung seiner Ehefrau möglich gewesen, mit der er seit 37 Jahren verheiratet ist und in Lohfelden lebt, betont Sitte.

 

Im Oktober 2019 geht er in Rente. „Das kann ich mir eigentlich noch gar nicht vorstellen“, sagt Sitte. Bis es so weit ist, möchte er den jungen Kollegen sein Wissen weitergeben. Und einen Tipp: „Man sollte mit Freude zur Arbeit gehen und das Gehirn nicht am Drehkreuz abgeben.“

 

HNA, 22.11.2018 von Nicole Schippers