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Der Neue ist ein alter Bekannter
 

Huskies-Chef Joe Gibbs sieht Trainerwechsel nicht als Panikentscheidung, sondern nächsten Schritt

Die alte Toronto-Verbindung zahlt sich für die Kassel Huskies einmal mehr aus: Nach Geschäftsführer Joe Gibbs und dem bisherigen Trainer Rico Rossi hat auch der neue Chefcoach Bobby Carpenter engen Bezug zur kanadischen Metropole und den Maple Leafs. Gestern wurde der 55 Jahre alte US-Amerikaner in der Eissporthalle vorgestellt. 

 

DER NEUE

Washington, New York, Los Angeles, Boston, New Jersey, Toronto, Beijing in China und nun Kassel. Nach NHL und KHL nun also die zweite deutsche Liga – und natürlich ist die erste Frage an Bobby Carpenter: Wie kommt es zu diesem Weg? Die Antwort überrascht: „Ich war in der Meistersaison 2015/16 einige Zeit zu Besuch bei Joe, den ich seit 20 Jahren kenne, und den Huskies. Und ich war beeindruckt von der guten Stimmung, den guten Spielen und der großartigen Stadt. Da war die Entscheidung jetzt leicht“, sagt Carpenter.

 

Der Neue hat seit Jahren die Kasseler beraten bei der Verpflichtung neuer Spieler, nun ist ihm die Freude auf die neue Herausforderung anzusehen mit dem enormen Kontrast zwischen dem hektischen Millionenmoloch Peking und dem überschaubaren Nordhessen. „Sieben Monate bei den Kunlun Red Stars waren genug. Die Entfernungen waren zu weit, die Reisen und die Abwesenheit von daheim zu lang“, erklärt Carpenter. Er wollte mehr Zeit mit seiner Frau, den beiden Söhnen (22, 21) und der Tochter (24) verbringen. „Aber dann wurde es mir zu langweilig, es reichte mir nicht mehr, als Zuschauer auf die Spiele meines Sohnes zu warten und ich wollte zurück ins Eishockey.“


DER EINSTIEG

Nun also Kassel. Die größte Herausforderung sei, die Namen der Spieler schnell zu lernen. „Jeder, der mir entgegenkommt, soll mir seinen Namen nennen“, sagt Carpenter. Er will die Truppe rasch kennenlernen, ihre Schwächen und Stärken erkennen, „damit ich weiß, wie ich wem helfen kann, besser zu werden, und welches System wir spielen können.“

 

All das werde Zeit benötigen, auch wenn die ersten Spiele am Freitag in Weißwasser und am Sonntag das Hessenderby gegen Bad Nauheim (18.30 Uhr) „schon zwei besondere Spiele sein werden“. Aber er habe mit der Geburt seiner drei Kinder gelernt, dass anstelle lauter Ansprachen und vieler Emotionen man als Trainer mit Geduld und Verständnis die Spieler besser formen kann: „Jeder einzelne ist Sportler, will besser werden und gibt alles für den Erfolg.“ Daher werde er auch die Infrastruktur und die Trainingszeiten so belassen – „denn alles ist gut.“ Und: „Die Jungs hängen sich unheimlich rein im Training. Ihr sehr starkes Tempospiel kann eine große Waffe sein.“

 

DIE ENTWICKLUNG

„Der Trainerwechsel war keine Panikentscheidung“, erklärte Huskies-Eigentümer Joe Gibbs. Vielmehr sei der Wechsel von Rico Rossi ins Management ohnehin für den nächsten Sommer geplant gewesen. Auf dem Weg dorthin sei schon vor Wochen mit Bobby Carpenter eine Stippvisite verabredet worden, „um uns zu helfen“. Angesichts der jüngsten Entwicklung und der nun erfolgten Zusage Carpenters, komplett in die Bresche zu springen, sei der Wechsel vorgezogen worden. Zunächst bis zum Saisonende, aber auch mit Perspektive für die Zukunft, falls es gut läuft.

 

Natürlich, so der Geschäftsführer, brauche die Mannschaft neue Impulse. Aber der Sieg in Dresden habe gezeigt, dass sie auf einem guten Weg ist. „Mit Bobby und Rico vollziehen wir jetzt den geplanten nächsten Schritt in unserer Neuausrichtung. Wir beginnen jetzt die Vorbereitung, 2021 fit zu sein, wenn es wieder einen Aufstieg in die DEL geben kann.“

 

DIE STRUKTUR

Befragt zu den neuen Hierarchien bei den Huskies, betonen alle Beteiligten den Teamgeist – auch Rico Rossi, der als Sportlicher Leiter formell eigentlich Carpenters Vorgesetzter ist. „Wir haben bislang alle Entscheidungen stets gemeinsam getroffen, das wird so bleiben“, sagt Rossi. Er werde seinen Nachfolger nach Kräften unterstützen, sich aber nicht einmischen, wenn es um die Mannschaft geht. „Die Huskies sind jetzt Bobbys Team.“

 

Auch Manuel Klinge wird dem neuen Coach zur Seite stehen, bleibt als Teammanager weiterhin für Organisatorisches zuständig und Bindeglied zwischen Team und Trainer. Der übrigens wie zuvor Rossi ohne Co-Trainer arbeiten wird.

 

HNA, 25.10.2018 von Gerald Schaumburg