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„Nicht mehr nur für Freaks“
 

Carsharing kommt in Kassel gut an: Der Anbieter Scouter rüstet seine Flotte auf

Sie sind jung, sehen gut aus und sind billig. Sie stehen am Kasseler Hauptbahnhof, vor der Uni oder am Goethestern im Vorderen Westen: Die Fahrzeuge des CarsharingAnbieters Scouter. 31 silberorangene „Autos zum Teilen“ stehen mittlerweile im Kasseler Stadtgebiet. Und es sollen noch mehr werden: „Wir werden die Flotte im kommenden Jahr aufrüsten“, sagt Geschäftsführer Thomas Großnann, der mit Scouter vor sieben Jahren den zweiten Carsharing-Anbieter nach Kassel geholt hat. Offenbar eine gute Entscheidung: Seit Jahren steigen die Nutzerzahlen in Kassel rasant – zuletzt um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

 

„In Kassel zählt Scouter mittlerweile 820 Kunden“, so Großnann. Und die bestünden schon lange nicht mehr nur aus jungen Leuten: „Das fängt beim Führerscheinneuling an und hört beim Rentner auf“, sagt der Geschäftsführer. „Früher war das anders. Da lag die Grenze bei maximal 50 Jahren.“ Dass Carsharing-Anbieter wie Scouter mittlerweile eine viel breitere Masse an Kunden ansprechen, liege vor allem an der Berichterstattung in den Medien: „Immer mehr Menschen können mit dem Begriff etwas anfangen. Das Thema ist nicht mehr nur etwas für Freaks, sondern wird zur normalen Dienstleistung.“ In Kassel laufe das Geschäft am besten im Vorderen Westen: Wegen der „hohen Einwohnerdichte“, aber auch bezüglich der „sozialen Struktur“ und was die Einstellung zum Carsharing angehe, so Großnann.

 

Umweltfreundlich seien die insgesamt 350 Scouter-Fahrzeuge, von denen immerhin sechs Elektro-Autos sind, nicht nur mit Blick auf die Technik. „Das Durchschnittsalter der Flotte beträgt 15 Monate“, sagt Großnann. Dementsprechend modern und effizient seien die Fahrzeuge auch. Viel wichtiger sei allerdings, dass durch das Carsharing der private Pkw überflüssig werde. „Jeder Zweite hat sein Auto nach der Anmeldung abgeschafft“, so Großnann. Das hätten interne Umfragen bei den Scouter-Kunden ergeben.

 

Den Carsharing-Nutzern selbst ginge es dabei gar nicht so sehr um den Umweltaspekt, meint der Geschäftsführer. „Der Kunde nutzt das, was für ihn am bequemsten ist.“

 

„Bequem“ will Scouter vor allem mit seiner einfachen Nutzung sein. Je nach dem, welches Fahrzeug gerade in der Nähe steht, kann der Kunde zwischen vier Fahrzeuggrößen wählen, die vom Kleinwagen ab einem Euro die Stunde bis zum Transporter für vier Euro die Stunde reichen. Mit der Kundenkarte, die jeder Nutzer nach der Anmeldung zugeschickt bekommt, lässt sich der Wagen öffnen. Neben dem Stundenpreis zahlt der Kunde einen Kilometerpreis. Bei unter 100 Kilometern beträgt der 29 Cent. Ein Beispiel: Wird ein Kleinwagen für zwei Stunden ausgeliehen und werden in dieser Zeit 10 Kilometer verfahren, kostet das den Kunden knapp sieben Euro.

 

Die E-Autos, von denen zwei in Kassel stehen, kosten übrigens genauso viel wie die normalen Autos von Toyota, Renault und VW. Für Scouter sei das nicht gerade profitabel, sagt Großnann. E-Autos zu unterhalten, sei eben doch noch teurer. „Aber nur so gelingt es, die Elektrofahrzeuge an den Kunden heranzubringen.“

 

HNA, 12.09.2018 von Mona Linke