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Betriebe können Exoskelette testen
 

Gesündere Arbeitsplätze schaffen, Krankheiten vorbeugen und Wettbewerbsfähigkeit steigern

Mitarbeiter/-innen im Bereich Produktion, Logistik und Bau üben körperlich anstrengende Aktivitäten aus, die ihr Gesundheitsrisiko sowie Krankheitstage erhöhen. Im schlimmsten Fall kann das zu Langzeitschäden führen. Das EU-Projekt EXSKALLERATE hat zum Ziel, die Einführung von Exoskeletten für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Europa zu beschleunigen, um Gesundheitsschäden vorzubeugen. Exoskelette sind mechanische, maschinelle bzw. robotische Stützstrukturen. Sie entlasten Arbeiter in der Fabrik, ermöglichen Menschen mit Behinderung das Aufstehen und Umhergehen oder dienen der Therapie. Manche verfügen über einen Antrieb (aktive Exoskelette), andere nicht (passive Exoskelette). Der Name des Projektes steht dabei für „ACCELERATE adoption of EXOSKELETONS for construction and manufacturing applications in the North Sea Region”.

 

KMU aus Südniedersachsen und Nordhessen haben jetzt die exklusive Möglichkeit an dem Projekt mitzuwirken. Die Teilnahme ist für die Unternehmen kostenfrei. „Wir suchen kleine und mittelständische Unternehmen, die mit uns die Vorteile von Exoskeletten erforschen und Einfluss auf die zukünftige Entwicklung nehmen möchten. Ein elementarer Schritt ist die Ermittlung der Herausforderungen der Betriebe bei Entscheidungsfindung und Anschaffung von Exoskeletten und welche Unterstützung diese dabei benötigen“, erläutert Manuel Krieg, Geschäftsführer Regionalmanagement Nordhessen GmbH.

 

Bis zu 44 Millionen Arbeitnehmer in der Europäischen Union (EU) sind von arbeitsplatzbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates betroffen. Das entspricht einer jährlichen Gesamtkostenbelastung für die Industrie von mehr als 240 Milliarden Euro. Die Folge sind geringere Attraktivität von Arbeitsplätzen, Bewerberknappheit und schlussendlich unbesetzte Stellen, wodurch Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit gehemmt werden.

 

Exoskelette haben das Potenzial, die Anzahl von Verletzungen des Bewegungsapparates zu verringern. Sie können dadurch die Kosten für Unternehmen langfristig senken und die Lebensqualität der Beschäftigten erhöhen. „Exoskelette bieten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine echte Erleichterung, wenn sie Lasten heben und bewegen. Exoskelette bewirken, dass die Aufgaben leichter durchführbar sind und das Muskel-Skelett-Systems bei spezifischen Tätigkeiten entlasten“, so Prof. Dr. Christoph Rußmann von der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Gesundheit an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Göttingen.

 

In Südniedersachsen und Nordhessen kooperieren die Regionalmanagement Nordhessen GmbH, MoWiN.net e.V. Mobilitätsnetzwerk und die Fakultät Ingenieurwissenschaften und Gesundheit der HAWK, um die Studie voranzutreiben. Gemeinsam mit 13 weiteren Partnern und Universitäten aus sechs europäischen Ländern (Schweden, Belgien, Dänemark, Großbritannien und Niederlande) forschen sie an den Möglichkeiten des Einsatzes von Exoskeletten in der Praxis.         

 

Das Konsortium aus Unternehmensförderungsorganisationen, Clustern, Forschungsinstituten und Universitäten wird Feldlabore durchführen, in denen die wichtigsten Herausforderungen von KMU identifiziert und Exoskelette der nächsten Generation erprobt werden. Es werden zudem mehrere informative Workshops für KMU stattfinden, in denen Experten Instrumente zur Unterstützung und Entscheidungsfindung bei der Einführung von Exoskeletten vorstellen.

 

Ein Partner von EXSKALLERATE ist das Medizintechnikunternehmen Ottobock aus Duderstadt, das seit 2012 Exoskelette für Industrieanwendungen entwickelt. „Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Fertigung hochkomplexer und technisch aufwendiger Cyborgs, die uns übermenschliche Kräfte verleihen“, erklärt Dr. Samuel Reimer, verantwortlich für das Business Development bei Ottobock Industrials. „Den großen Mehrwert, gerade für KMU, bieten bereits heute körpergetragene Assistenzsysteme, die die Belastung bei körperlich anspruchsvollen Arbeitsabläufen deutlich reduzieren. Passive Exoskelette, also ohne Batterie oder andere Energiezufuhr, sind dabei besonders leicht und angenehm zu tragen. Die Bedürfnisse der Nutzer/-innen müssen im Mittelpunkt der Entwicklung von Exoskeletten stehen, zum Beispiel Bewegungsfreiheit und einfach Handhabung.“

 

Pressemitteilung, 26.02.2021.