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„Weg der Zukunft geht über Hybrid!“
 

Neuer VW-Werkleiter Jörg Fenstermann: Personalabbau bleibt übersichtlich

Was für ein Wiedersehen. In China, in einem der modernsten Komponentenwerke des „Reichs der Mitte“ hatte ich Jörg Fenstermann kennen gelernt. Er war dort fast drei Jahre der Chef von 8000 Mitarbeitern. Jetzt ist er wieder in Deutschland und leitet den Standort Baunatal.

 

Fenstermann empfängt uns im Besucherzentrum. Die Fenster sind offen, der Abstand wird strengstens eingehalten. In Baunatal ist man stolz darauf, dass es kein Corona- Problem im Werk gibt. Besucher gibt es im Werk zur Zeit so gut wie nicht. Das Besucherzentrum wird aktuell für Fortbildungen genutzt. Hier steht eine Fahrplattform (inclusive Elektromotor) im Mittelpunkt. Sie wird die Grundlage für die VW Elektrofahrzeuge sein und auch Ford zeigt schon großes Interesse.

 

„580 Kilometer Reichweite haben unsere neuen Modelle“, freut sich Fenstermann über die rasante Entwicklung der letzten Jahre. „Und wir sind noch mittendrin. Auch Baunatal ist noch mitten im Wandel.“ Befürchtungen, dass bis 2030 zehntausend Stellen abgebaut würden, seien jedoch völlig übertrieben. VW habe eine Fraunhofer-Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Die Beschäftigungsverluste durch die Elektromobilität werden weitaus geringer ausfallen. Im Unternehmen sind frühzeitig strategische Gegenmaßnahmen ergriffen worden, zum Beispiel durch das Erschließen neuer Kompetenzfelder wie Batteriezellentwicklung und -fertigung. Durch die Digitalisierung sei sogar mittelfristig mit einem Jobzuwachs zu rechnen, da die Umsetzung sehr komplex ist und entsprechende Ressourcen erfordert.

 

Gießerei ausbauen

 

„Wir erleben in den nächsten Jahren ein Nebeneinander von Auf- und Abbau, von Umqualifizierung und neu hinzukommenden Fähigkeiten“, ist Fenstermann überzeugt. „Für uns in Baunatal heißt das: Der Weg geht über Hybrid. Und natürlich darüber, dass wir eine erheblich tiefere Fertigungsbreite haben wie in anderen Werken. Das gilt insbesondere für unsere Gießerei.“ Insgesamt sei jedoch der Weg richtig, auf Elektromobilität zu sehen. „Unsere Motoren sind bereits weitaus sparsamer geworden, und es ist noch viel Luft nach oben. Auch in der Batteriefertigung wird sich noch eine Menge tun. Ich sehe den Weg weg von Kobal und Mangan hin zu Ferit (eisen d. Red) und Lithium. Hier hilft uns die Kooperation mit chinesischen Firmen.“ Wichtig sei auch das Batterierecycling in Salzgitter. „Und vor allem sehe ich den Weg, gebrauchte Autobatterien im Haushalt zum Stromspeichern einzusetzen“, setzt Fenstermann auf die Kreativität. Und hofft, dass Ladesäulen mit Batterietechnik beim schnellen Laden in Zukunft helfen werden.

 

Pkw werden elektrisch

 

Übrigens seien die Berichte, in China setze man mehr auf Wasserstoff und Elektromobilität sei out, irreführend. „Das gilt nur für Lkw. Bei Pkw ist der Weg in die Elektromobilität klar. Auf Messen sieht man ständig neue Firmen, die neue E-Fahrzeuge anbieten. Doch noch sind wir dort Marktführer, denn die Chinesen trauen ihren eigenen Firmen nicht so richtig“, freut sich der Chinakenner.

 

Pressemitteilung, 27.02.2021.