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Rohstoffe mit hoher Wertaussicht
 

Recycling von E-Auto-Batterien

Was passiert mit Akkus, wenn sie ihre Kapazität verlieren und ausgetauscht werden müssen? Droht in einigen Jahren ein Entsorgungsproblem, wenn immer mehr Elektrofahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind? Diese Fragen finden bei der Diskussion um eine grüne Verkehrswende wenig Beachtung, sind aber von enormer Bedeutung, wenn Elektromobilität zur Lösung von Umweltproblemen beitragen soll, sagen Experten. Dazu Fragen und Antworten:

 

Was macht E-Auto-Batterien für das Recycling interessant?

Die Lithium-Ionen-Akkus enthalten wertvolle Rohstoffe. Das betrifft in erster Linie Lithium, Kobalt und Nickel. Ein 400 Gramm schwerer Akku enthält durchschnittlich 100 Kilo Graphit, 32 Kilo Nickel, 11 Kilo Kobalt, zehn Kilo Mangan und sechs Kilo Lithium. Hinzu kommen große Mengen an Kunststoff, Aluminium und Stahl. Letztere lassen sich leicht recyceln,die Rückgewinnung der übrigen Rohstoffe stellt die Entsorgungsindustrie vor Herausforderungen.

 

Was erschwert einheitliches Recycling?

Um an den Energiespeicher zu gelangen, müssen die Akkus per Hand zerlegt werde. Das kann laut ADAC pro Batterie bis zu einer Stunde dauern. Notwendig ist dies, weil aktuell eine Vielzahl unterschiedlicher Batterietypen auf dem Markt ist. Die Rohstoffmengen und der Batterieaufbau variieren je nach Hersteller.

 

Welche Verfahren zum Recycling gibt es?

Zwei Methoden werden dazu angewandt. Das thermische Aufschmelzen sowie das mechanische Zerschreddernund anschließende chemische Herauslösen der Rohstoffe. Möglich sind Recyclinganteile von 60 bis 70 Prozent. Dies ist jedoch nur unter hohem Energieaufwand möglich, weshalb der wirtschaftliche Anreiz zum Recyceln bislang verhalten ist. Sechs Kilo Lithium, die der Akku eines Elektrokleinwagens im Schnitt beinhaltet, entsprechen nur 250 Euro. Der Preis pro Tonne Lithium soll laut Joe Lowry, einem der führenden Lithiummarkt Experten, bis 2021 auf 12 000 Dollar ansteigen. Laut Spiegel prognostiziert das Beratungsunternehmen Roland Berger für Europa ein Marktvolumen von bis zu 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2030.

 

Gibt es vielversprechende Pilotanlagen und Forschungsprojekte?

Marktführer ist das belgische Unternehmen Umicore, das seit 2012 eine Pilotanlage betreibt. Mit Umicore zusammen arbeiten die Autohersteller Audi und BMW. Ziel ist, Rohstoffe zu 95 Prozent wiederzugewinnen. Daran arbeitet auch VW mit einer eigenen Pilotanlage in Salzgitter. Zunächst sollen 1200 Tonnen Batterien pro Jahr recycelt werden. Ein vielversprechendes Forschungsprojekt wird von Professor Karl Bernhard Friedrich an der Technischen Hochschule Aachen umgesetzt. Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums soll eine Anlage entwickelt werden, die ein Volumen von 25 000 Tonnen EBatterien pro Jahr bewältigt.

 

Welche Rolle spielen politische Richtlinien?

Laut ADAC stellt sich die Gesetzeslage „alles andere als auf der Höhe der Zeit“ dar. Die Anforderungen an die Recyclingeffizienz – 50 Prozent des Materialanteils müssen wiederverwendet werden – seien viel zu gering. Dies könne schon durch das Entfernen von Gehäuse und Komponenten erreicht werden, die eben aus Aluminium, Stahl oder Kunststoff bestehen und sich leicht recyceln lassen. Damit auch der Anreiz besteht, den Rest wiederzuverwerten, wird die EU-Batterie- Richtlinie überarbeitet.

 

Pressemitteilung, 29.10.2020.