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„Mit dem E-Bike bin ich schneller“
 

Räder mit Akkus sind mittlerweile auch für Pendler eine Alternative

Sie sind aus dem Straßen- und Radwegverkehr nicht mehr wegzudenken: EBikes. Über die Nutzungsmöglichkeiten und das Image dieser Räder haben wir mit Stefan Arend gesprochen. Er ist Radverkehrsbeauftragter beim Landkreis Kassel mit Dienstsitz in Hofgeismar.

 

Herr Arend, haben Sie ein E-Bike?

Ja, klar. Mittlerweile seit fast zwei Jahren.

 

Und fahren Sie damit auch zur Arbeit?

So oft es geht. Dabei nutze ich in der Regel die Kombination aus Regiotram und E-Bike, das finde ich ideal. Mit der Tram hin von Kassel nach Hofgeismar – und mit dem EBike zurück. Morgens ist bei mir die Motivation noch nicht ganz so hoch (lacht). Außerdem ist es schön, mit der Fahrt nach der Arbeit den Kopf freizubekommen und sich zugleich noch an der frischen Luft zu bewegen.

 

Wie viel Zeit spart man damit im Vergleich zum Fahrrad ohne E-Antrieb?

Mein Fahrtweg beträgt knapp 30 Kilometer und führt meist über Wirtschaftswege, die für den Radverkehr freigegeben sind. Dafür brauche ich mit dem normalen Rad rund 90 Minuten. Mit dem E-Bike bin ich 20 Minuten schneller.

 

Somit bleibt Ihr normales Fahrrad häufiger daheim?

Wenn man ein E-Bike hat, nutzt man das auch häufiger, so meine persönliche Erfahrung. Sobald ich mit meinem normalen Rad fahre, merke ich jeden Widerstand, auchbei kleineren Steigungen oder Gegenwind. Das ist beim E-Bike nicht so, es fühlt sich anders an. Man hat immer gute Fahrt und ist nicht erschöpft oder verschwitzt. Das normale Rad wird vor allem für kurze Wege genutzt, während das E-Bike bei längeren Fahrten ab fünf Kilometern zum Einsatz kommt.

 

Und gibt es Kollegen, die ihrem Beispiel folgen?

Ja, es kommen immer mehr Kollegen regelmäßig mit dem E-Bike zur Arbeit, deren Arbeitsweg im Schnitt circa fünf bis 15 Kilometer beträgt. Und jeden Tag sehe ich in der Regiotram viele Rad-Pendler.

 

Man spricht häufig vom „Trend“ zum E-Bike. Sind wir nicht längst über einen Trend hinaus?

Ich denke, darüber sind wir tatsächlich längst hinaus. Das E-Bike kann mittlerweile eine ernsthafte Alternative zum Auto oder zum ÖPNV sein. Viele Wege erledigt der Mensch aus Routine, sodassein Umstieg auf das Rad oft nur Kopfsache und ein lohnenswerter Schritt aus der Komfortzone ist. So möge jeder für sich überlegen und mal ausprobieren, welche Autofahrten man durch ein E-Bike ersetzen kann.

 

Welche Strecken könnten das sein?

Gerade auf kürzeren, innerstädtischen Fahrten ist man mit dem Bike sogar schneller und hat keinen Stau und keine Parkplatzsuche. Und mit einem E-Bike-Lastenrad ist auch ein größerer Einkauf oder Transport gut machbar. Die abnehmbaren Akkus lassen sich zudem ganz einfach zu Hause oder an der Arbeit laden. Was wünschenswert wäre: Es sollte mehr sichere und überdachte Abstellplätze geben, sowohl an Arbeitsplätzen, Schulen oder im öffentlichen Raum. Zudem sind Raddirektverbindungen in das Umland wichtig, die in absehbarer Zeit kommen werden. Generell muss man sagen: Mit dem E-Bike haben vieleMenschen das Radfahren für sich neu oder wiederentdeckt – das wollen wir vom Kreis noch unterstützen.

 

Wie kann eine solche Unterstützung aussehen?

Es gab und gibt ja bereits Initiativen wie den Wettbewerb „Schulradeln“ oder die Mitmachaktion „Mit dem Rad zur Arbeit“, die es fördern und dazu beitragen, den Weg zur Arbeit oder zur Schule mit dem Rad zurückzulegen – auch beim Landkreis selbst. So wurden allein durch die beiden Initiativen 155 000 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt. Der Kreis möchte sich zudem als fahrradfreundlichen Arbeitgeber zertifizieren lassen, da auch Mobilität für Arbeitnehmer bei der Wahl des Arbeitsplatzes von immer größerer Bedeutung ist. Darüber hinaus haben zwei Drittel aller Kommunen bei der Aktion „Radfahren neu entdecken“ mitgemacht, in der es darum ging, Menschen das Fahren mit dem EBike ausprobieren zu lassen.Zudem nehmen auch immer mehr Kreiskommunen beim „Stadtradeln“ teil: Im vorigen Jahr waren die Bürger von acht Kommunen rund 185 000 Kilometer mit dem Rad unterwegs.

 

Hat die Coronapandemie noch einmal einen Schub für E-Bikes gebracht?

Wenn ich auf meinen Freundes- und Bekanntenkreis schaue, dann kann ich nur sagen: offensichtlich ja. Dort haben sich viele in den vergangenen Monaten ein E-Bike gekauft. Man kann damit eben auch in diesen Zeiten, in denen der ÖPNV teilweise eingeschränkt war und ist, selbstständig und ohne eine Maske unterwegs sein – denn Abstand hält man beim Fahren ja ganz automatisch.

 

Aber ein E-Bike ermöglicht auch ein Tempo, das viele mit normalen Rädern nicht erreichen würden. Führt das zu Problemen?

Ja, diese Probleme gibt es. Zum einen für Radfahrer, die den Umgang mit dem höheren Tempo nicht gewohnt sind. Sie verschätzen sich beispielsweise beim Bremsen oder gefährden Fußgänger sowie andere Radfahrer beim Überholen. Und auch Autofahrer unterschätzen mitunter die Geschwindigkeit eines E-Bikers. Das kann zu gefährlichen Situationen führen – und zu Unmut. Wichtig ist dabei, sich jeweils in die Rolle des anderen hineinzuversetzen und gegenseitig Rücksicht zu nehmen. Denn wir alle haben ja verschiedene Rollen, viele von uns sind mal Radfahrer, mal Fußgänger, mal Autofahrer. Das sollten wir bedenken.

 

Pressemitteilung, 30.10.2020.