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Kampf der E-Scooter
 

Nach Skooty gibt es in Kassel nun auch Roller von Bird – Weitere Anbieter könnten folgen

 Auch die nächste Verkehrsrevolution kam über Nacht nach Kassel. Drei Wochen nachdem der heimische Anbieter Skooty seine E-Scooter in der Stadt verteilt hatte, stellte die US-Firma Bird ihre Tretroller auf. 280 Scooter stehen nun vor allem rund um die City und in den angrenzenden Stadtteilen zur Verfügung. Sie sollen helfen, „kurze Wege, die immer noch zu einem großen Teil mit dem Pkw zurückgelegt werden, zu verlagern“, wie es in einer Mitteilung des im kalifornischen Santa Monica ansässigen Unternehmens heißt.

 

Die schwarz-weißen Bird- Roller gibt es in mehr als 100 Städten. Erst Anfang des Jahres hatte der Konzern das Berliner Start-up Circ übernommen, das wenige Monate zuvor gegenüber der HNA Interesse am Standort in Nordhessen bekundet hatte.

 

Die Ausleihe bei Bird, das laut eigenen Angaben Branchenführer ist, funktioniert ähnlich wie bei Skooty. Bei beiden Anbietern sind 1 Euro plus 19 Cent pro Minute fällig. Man muss mindestens 18 Jahre alt sein. Die Roller werden per GPS geortet, sodass sie nicht an unerlaubten Orten abgestellt werden können.

 

Mit der Stadtverwaltung hatte Bird im September Kontakt aufgenommen und angekündigt, seine Scooter in der ersten Oktoberhälfte aufzustellen. Demnächst könnten noch weitere Anbieter hinzukommen. Insgesamt haben in diesem Jahr vier Unternehmen bei der Stadt Interesse am Standort Kassel angemeldet. Rechtlich ist das gar nicht notwendig. Solange die Regeln eingehalten werden, kann jeder Anbieter seine Roller aufstellen. 

 

Bei Skooty, bislang der Monopolist in der Stadt, glaubt man nicht, dass es bald einen weiteren Konkurrenten gibt. „Dafür ist Kassel zu klein“, sagt Sprecher Florian Kleinschmidt. Skooty sieht sich als Lokalmatador, der die Gegebenheiten der Stadt bestens kennt. Darum kann man die 350 grünen Roller nun auch in Harleshausenund Kirchditmold ausleihen, von wo „man bislang schwieriger in die Stadt kam“, wie Kleinschmidt sagt: „Wir wollen keine Spaßfahrten abdecken, sondern die Infrastruktur verbessern.“

 

Unternehmen können demnächst für ihre Mitarbeiter Abos buchen, damit sie als Arbeitgeber noch attraktiver werden. Auch in Lohfelden, Baunatal und Vellmar sollen Skootys bald wieder stehen, nachdem sie zwischenzeitlich wieder eingesammelt werden mussten. Nur Kaufungen hat kein Interesse bekundet. „Wir gehen nur dahin, wo wir willkommen sind“, sagt Kleinschmidt, der die Argumente von Scooter- Kritikern kennt. Gerade im Vorderen Westen beschweren sich Anwohner über abgestellte Roller auf Gehwegen. Dass es nun einen zweiten Anbieter gibt, werde „zu mehr Park-Chaos führen“, befürchtet Kleinschmidt.

 

Auch beim Verkehrs-Club Deutschland (VCD) sieht man die Gefahr, dass Städte durch Roller vermüllen können, wie Sprecher Heiko Nickel aus Frankfurt sagt. Andererseits rechnet er vor: „Auf wie vielen Millionen Quadratkilometern stehen Autos? Das steht in keinem Verhältnis.“ Umfragen zeigten, dass viele Nutzer ohne Roller zu Fuß gegangen wären. Trotzdem glaubt Nickel: „E-Scooter können eine große Entlastung sein, wenn sie richtig eingesetzt werden.“

 

Pressemitteilung, 13.10.20.