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Mehr Fernzüge auf Hauptstrecken
 

Bahn setzt trotz Corona-Krise ab Dezember zusätzliche ICE ein

Trotz des drastischen Rückgangs der Fahrgastzahlen in der Corona-Krise will die Deutsche Bahn vom 13. Dezember an mehr Auswahl auf den Hauptstrecken bieten. Mit dem Fahrplanwechsel soll das tägliche Sitzplatzangebot im Fernverkehr um 13000 auf 213000 Plätze steigen, wie der Konzern mitteilte. „Zum 13. Dezember bringen wir mehr Angebot, Komfort und mehr Sitzplätze in neuen Zügen auf die Schiene als je zuvor“, sagte Fernverkehrs-Chef Michael Peterson.

 

Beispielsweise sollen tagsüber zwischen Hamburg und Berlin die Fernzüge künftig im Halbstundentakt fahren. Allein dort steigt das tägliche Sitzplatzangebot um 6000 auf 36000 Plätze. Wachsen soll auch das ICE-Angebot zwischen Bonn und Berlin. Zudem soll der Euro-City-Express zwischen München und Zürich Reisende vom Flugzeug auf die Schiene locken, indem die Fahrtzeit auf rund vier Stunden sinkt.

 

Trotz der aktuellen Reisebeschränkungen erhöht die Bahn auch das Angebot zu touristischen Zielen. Ein täglicher Eurocity verbindet künftig Berlin über Breslau mit Krakau. Jeden Samstag im Winter fährt ein ICE von Berlin über Würzburg direkt in die Tiroler Skigebiete. Häufiger und vielfach ganzjährig geht es an die Küsten in Ostfriesland oder Mecklenburg- Vorpommern. Im neuen Fahrplan steht auch erstmals ein Fernverkehrshalt in Ringsheim/Europa-Park Rust: Zweimal täglich halten dort Fernverkehrszüge aus dem Rhein-Main-Gebiet.

 

In den nächsten Jahren sollen alle Metropolen in einem engen Taktfahrplan miteinander verbunden werden. Zu einem späteren Zeitpunkt soll es beispielsweise auf der Strecke Berlin–Köln ebenfalls eine Verbindung im Halbstundentakt geben. Zunächst wird eine zusätzliche ICEVerbindung Hamburg–Kassel– München unter der Woche das bestehenden Taktangebot verstärken. Lüneburg und Uelzen profitieren dabei von einer Direktanbindung in beide Richtungen, in einer Richtung sind auch Celle, Donauwörth oder Augsburg begünstigt. Zusätzlich verkehren am Samstagabend der ICE aus München über Frankfurt nach Kassel (23:51 Uhr) und am Sonntagmorgen in umgekehrter Richtung der ICE ab Kassel (6:15 Uhr) über Frankfurt nach München. Für Kassel gibt es am Wochenende auch eine zusätzliche Verbindung von und nach Berlin. Von Frankfurt (6 Uhr) verkehrt der ICE-Sprinter künftig Montag bis Freitag nach Berlin.

 

Bund muss Konzern stützen

 

Allerdings muss der Bund die Bahn mit Milliarden stützen, wenn sie ihr Angebot sogar ausweitet, obwohl derzeit deutlich weniger Passagiere in die Züge steigen. Viele nehmen wegen der Ansteckungsgefahr lieber das Auto. Oder sie fühlen sich durch die stundenlange Maskenpflicht beeinträchtigt; andere wiederum stört, dass mitreisende Sitznachbarn die Maskenpflicht ignorieren und das kaum sanktioniert wird. Im Klimapaket sind der Deutschen Bahn jährlich eine Milliarde zusätzliches Eigenkapital zugesagt worden; und um die Corona-Krise zu bewältigen, bekommt sie dieses Jahr weitere fünf Milliarden Euro. Zwar werden die Fahrkarten im Dezember um durchschnittlich ein Prozent teurer, doch reichen diese Mehreinnahmen nicht aus. Eine Flexpreis-Karte für den ICE von Hamburg nach Frankfurt in der zweiten Klasse kostet dann 114,60 Euro, 1,70 Euro mehr als zuvor. Sparpreise mit Zugbindung und Bahncard 50 werden nicht teurer, die Bahncard 25 gibt es im Oktober gar zum halben Preis. Erst im Januar dieses Jahres waren die Preise im Fernverkehr um zehn Prozent gesunken, nachdem der Bund die Mehrwertsteuer reduziert hatte.

 

Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, reagierte verständnisvoll: „Aber es passt nicht in die Zeit, wenn man Fahrgäste zurückgewinnen will.“ Schärfer reagierte der Verbraucherzentrale Bundesverband: „Die Ticketpreiserhöhungen sind unverschämt. Aus Gründen des Klimaschutzes muss Bahnfahren attraktiver werden.“

 

Kontraproduktiv ist auch, dass im nächsten Jahr vom 24. April bis 16. Juli die Schnellfahrstrecke Göttingen– Kassel wegen Bauarbeiten voll gesperrt wird. Die Züge werden umgeleitet, dadurch verlängert sich die Fahrzeit um bis zu 40 Minuten. In dieser Zeit entfallen auch die Sprinter von Frankfurt nach Berlin und Hamburg. Aktuell gibt es noch bis Ende Oktober große Behinderungen auf der Strecke zwischen Frankfurt und Berlin über Leipzig, weil die Schienenverbindung zwischen Bad Hersfeld und Eisenach wegen Sanierung des Tunnels Wildeck- Hönebach gesperrt ist.

 

Bis 2026 soll dann die Sitzplatzkapazität im Fernverkehr der Bahn um weitere 20 Prozent wachsen.

 

Pressemitteilung, 12.10.20.