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So werden autonome Autos schlau
 

MOBILITÄT Forscher schulen künstliche Intelligenz für den Straßenverkehr

Wenn sich in Zukunft selbstfahrende Autos auf unseren Straßen bewegen sollen, müssen sie sich auch eigenständig im Verkehr orientieren können. Sie müssen wissen, was Verkehrsschilder bedeuten, müssen erkennen, wo sich andere Fahrzeuge und Fußgänger bewegen und in der Lage sein, auf unvorhergesehene Gefahrensituationen zu reagieren – etwa, wenn ein Kind bei Rot über die Straße rennt.

 

Damit Autos – beziehungsweise die Computer, die sie steuern – so schlau werden, müssen sie mit großen Mengen an Daten angelernt werden. In einem aktuellen Forschungsprojekt tragen Kasseler Wissenschaftler dazu bei, die dafür nötigen Datenbanken effizient aufzubauen. Schon auf dem Weg zum intelligenten Auto sind dabei Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) nötig.

 

Entscheidend sei vor allem, dass die Technik auch in der Lage sei, auf außergewöhnliche Situationen zu reagieren, sagt Prof. Dr. Bernhard Sick, Leiter des Fachgebiets „Intelligente Eingebettete Systeme“. So könnten schon Lichtspiegelungen bei regnerischem Wetter und Dämmerlicht der Technik Schwierigkeiten bereiten. Aber auch ein Radfahrer, der Schlangenlinien fährt, oder ein Lkw, auf dem Kühe abgebildet sind, könnten grenzwertig sein.

 

Genau solchen kritischen Situationen widmen sich die Kasseler Forscher in dem Projekt „KI Data Tooling“, an dem neben der Uni 16 weitere Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft beteiligt sind. Dabei entwickeln Sick und sein Team Werkzeuge, wie die Künstliche Intelligenz gewissermaßen selbst ihre Schwachstellen identifiziert. Die „Trainingsdaten“ sind dabei zigtausende Videos echter Verkehrssituationen, die aus einem Auto heraus aufgenommen wurden. Aus diesen soll die Technik selbst die Bilder herausfiltern, mit denen sie noch nicht zurechtkommt.

 

Dann füttern die Forscher die Maschine mit zusätzlichen Informationen und machen sie so nach und nach besser. „Mit jeder Rückmeldung des Menschen wird das Modell genauer“, erklärt Doktorand Maarten Bieshaar.

 

So fordern auch neue Verkehrsmittel wie etwa Elektrotretroller, die in Kassel gerade die Straßen erobern, die Forschung heraus, die KI-Erkennungstechniken immer wieder nachzuschulen.

 

Autonome Autos müssen andere Verkehrsteilnehmer aber nicht nur erkennen, sondern auch ihr Verhalten möglichst genau vorhersehen. Hierzu forschen die Kasseler Experten in einem weiteren Projekt. Dabei leiten sie die KI dazu an, Kopf, Gliedmaßen und Gelenke von Fußgängern und Radfahrern zu erkennen, um so ihre Bewegungen zu antizipieren. Schon Prognosen für die nächsten 2,5 Sekunden seien dabei eine Herausforderung, sagt Professor Sick. Dabei untersuchen die Wissenschaftler auch, inwieweit die Daten von Smartphones helfen können, die schwächsten Verkehrsteilnehmer zu vernetzen und damit zu schützen.

 

Auch der Austausch von Daten zwischen Fahrzeugen könne zu mehr Sicherheit beitragen, so Professor Sick. So könne etwa ein Auto, das hinter einem Lkw fährt, nicht sehen, wenn davor ein Fußgänger auf die Straße läuft. Wird diese Information aber von dem Lkw oder einem anderen Fahrzeug übermittelt, kann das Auto frühzeitig bremsen. So wollen die Kasseler Forscher den Verkehr der Zukunft von Anfang an auf sichere Bahnen lenken.

 

Pressemitteilung, 12.10.20.