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Parkraum ist nicht knapp in Kassel
 

MOBILITÄT Gebühren fürs Parken sorgen immer wieder für Diskussionen

Stärker als andere Städte ist Kassel auf sein regionales Umland ausgerichtet: Die Nordhessenmetropole gilt als Einzugsgebiet für 1,3 Millionen Menschen, die für Einkäufe oder andere Besorgungen regelmäßig nach Kassel fahren. Jeden Werktag kommen allein 64 000 Berufspendler in die Stadt, Tendenz ständig steigend. Dem gegenüber steht ein Angebot an innerstädtischen Autoparkflächen, das nicht nennenswert mitwachsen kann.

 

Auf jeden Fall ist das Thema Parken in Kassel hoch emotional besetzt. Auf der einen Seite fordern Verfechter einer Verkehrswende, den für Autos reservierten öffentlichen Raum und somit auch fürs Parken zurückzubauen. Auf der anderen Seite stehen Stadtbesucher, die ins Feld führen, durch ihre ländlichen Wohnorte auf ihr Auto angewiesen zu sein. Sie bringen auch den Gewohnheitsanspruch mit, in unmittelbarer Nähe ihrer Ziele jederzeit und am besten gratis einen freien Parkplatz zu finden.

 

Da ist oft schnell und reflexhaft von „Abzocke“ die Rede, wenn an der Parkgebührenschraube gedreht wird. Die Stadt Kassel hat das zuletzt 2015 getan und erstmals nach 17 Jahren die Gebühren angehoben. Im Zentrum kostet die Stunde seither zwei statt bisher einen Euro. Das liege im Rahmen vergleichbarer Städte, hatte die Stadtverwaltung damals betont.

 

Bei solchen Schritten gehe es nicht so sehr darum, dem Stadtsäckel mehr Einnahmen zu verschaffen, hat die Denkfabrik „Agora Verkehrswende“ 2017 in einem Leitfaden für die Verwaltungspraxis argumentiert. Die Herstellung und Unterhaltung von Autostellplätzen koste die Rathäuser auch zunehmend Geld. Parken sei eine Dienstleistung, die nachgefragt wird. Zudem hätten die Gebühren einen steuernden Effekt, um Parkdruck zu mindern und Parksuchverkehr zu reduzieren. Nur wo es etwas kostet, werden Parkflächen auch bald wieder für andere frei.

 

In der öffentlichen Debatte um die Gebührenerhöhung geriet meist der Aspekt aus dem Blick, dass es in Kassels Innenstadt jede Menge Alternativen für Fahrer auf Parkplatzsuche gibt: Von rund 5000 Stellflächen im Zentrum liegen nur 876 an Straßen und auf Plätzen, wo die städtischen Gebühren gelten.

 

Der größte Anteil liegt in Parkhäusern von Einkaufsstätten, Privatbetreibern und der städtischen Parkhausgesellschaft. Dort liegt die durchschnittliche Auslastung laut Kassels Verkehrsdezernent Dirk Stochla (SPD) um die 40 Prozent. Von einer Parkplatzknappheit in Kassel kann also nicht die Rede sein.

 

Etliche Kassel-Besucher, die mit dem Stadtverkehr nicht so vertraut sind, haben Vorbehalte, die Parkhäuser zu benutzen. Gemäß den häufigen Klagen über Kassels Parkgebühren müssten aber eigentlich die Parkhäuser voll sein und die Plätze an den Straßen leer. Denn seit der städtischen Gebührenerhöhung hat sich die Kostensituation umgedreht: In den Parkhäusern ist es nun vergleichsweise billiger, durch Gratiszeiten, Bonus- und Rabattsysteme steigt der Kostenvorsprung der Parkhäuser weiter – abgesehen davon, dass die Autos dort bewacht und wettergeschützt untergebracht sind.

 

Sparmöglichkeiten gibt es aber auch bei den städtischen Tarifen, die man seit Einführung der neuen Tarife auch per Handy bezahlen kann: Wer dafür die App „PayBy- Phone“ nutzt, kann seine gewählte Parkdauer vorzeitig abbrechen, falls er früher als geplantmit seinen Erledigungen fertig ist. Berechnet wird dann nur die tatsächlich in Anspruch genommene Zeit. Laut Rathaussprecher Michael Schwab wird in Kassel jeder fünfte Parkschein mit dem Smartphone bezahlt.

 

Pressemitteilung, 09.10.20.