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Aus der Krise auf die Überholspur?
 

Bund will Automatisierung und Digitalisierung der Autobranche fördern

Deutschland ist immer noch Autoland – Politik und Wirtschaft wollen die Zukunft sichern: eine Führungsrolle beim autonomen Fahren, mehr Tempo für ein kundenfreundliches Ladenetz für E-Autos und ein besserer Datenaustausch mit anderen Verkehrsträgern. Das sind die Kernziele des „Autogipfels“ mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Vertretern aus Politik und Wirtschaft vom späten Dienstagabend. Der große Haken: Die Industrie steckt in einer tiefen Krise. Vor allem mittelständische Zulieferer hängen am Verbrenner. Ihnen droht wegen der Absatzflaute in der Corona- Pandemie das Geld auszugehen – und die Kraft, in die Zukunft zu investieren.

 

Ein Überblick:

 

Keine Verbrenner-Prämien:

Die zuletzt erneut vor allem von der CSU geforderten staatlichen Kaufzuschüsse für moderne Benziner und Diesel soll es nach wie vor nicht geben. Wer überlegt hatte, möglicherweise ein mit staatlichem Geld gefördertes Schnäppchen auf dem lahmenden Markt machen zu können, dürfte also vorerst enttäuscht sein. Viele in der Branche betonen zwar, dass auch neue Verbrenner bessere CO2-Werte haben als die Masse der Wagen, die heute auf der Straße ist. Doch die Prämien von Bund und Industrie bleiben auf Elektround Hybridautos beschränkt.

 

Fonds für Firmen in Not:

Stattdessen wird nun ein anderes Instrument geprüft: Vor allem kleinere und mittelständische Zulieferer, die den Markteinbruch besonders stark zu spüren bekommen, sollen mit einem möglichen Transformationsfonds unterstützt werden. Dafür hatte sich etwa die IG Metall eingesetzt. Die Firmen sollen mit Eigenkapital gestärkt werden –, um in E-Mobilität und Digitalisierung investieren zu können. Denn sonst droht, dass Unternehmen in die Insolvenz gehen und Jobs und damit Fachkräfte verloren gehen.

 

Bis zum November soll das Modell eines möglichen Fonds stehen. In der Autoindustrie wird betont, es solle sich um ein privatwirtschaftliches Instrument handeln, Staatsbeteiligungen solle es nicht geben. Der Staat könnte aber über Garantien Risiken absichern. Fraglich ist, ob diese Hilfe für Firmen, die kurz vor der Pleite stehen, noch rechtzeitig kommt. Die Autoindustrie beschäftigt direkt mehr als 800000 Menschen in Deutschland.

 

Autonomes Fahren:

Viele Versuche auf Testfeldern laufen seit längerem – aber dass Autofahrer sich im normalen Verkehr von autonomen Fahrzeugen chauffieren lassen können, galt bisher als Zukunftsmusik. Jetzt soll die Umsetzung deutlich beschleunigt werden, Deutschland sogar eine internationale Vorreiterrolle einnehmen. Das Ziel ist, angesichts der technischen und rechtlichen Komplexität des Themas, ehrgeizig: Schon 2022 soll ein Regelbetrieb möglich sein, auch hierzulande sollen automatisierte und autonome Wagen „erlebbar“ sein. Die deutschen Hersteller bringen sich – nachdem sie bisher überwiegend Tesla, Google und chinesischen Firmen hinterher fuhren – allmählich in Position. VW etwa steckt in den kommenden Jahren Milliarden in entsprechende Systeme. Im Juni besiegelte der Konzern eine Partnerschaft mit dem US-Autobauer Ford. Bei dessen Tochter Argo AI, spezialisiert auf Künstliche Intelligenz, wollen sich beide die Entwicklungskosten teilen. VWChef Herbert Diess sieht die Vorschläge des „Autogipfels“ als Beitrag, um das Thema in Deutschland zu verankern. Bisher testet VW nur in den USA. „Das werden wir jetzt überdenken“, sagte Diess.

 

Internet im Auto, Daten und Vernetzung:

Ein „Datenraum Mobilität“ soll aufgebaut werden, die Autoindustrie will dafür Daten zur Verfügung stellen. Zieldatum ist der Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme im Herbst 2021 in Hamburg. Es könnte ein wichtiger Schritt sein für eine gemeinsame Mobilitätsplattform für die verschiedenen Verkehrsträger – neben dem Auto also Flugzeuge, Busse und Bahnen, Taxis oder E-Scooter. Künftig könnte es eine gemeinsame App geben, um neue und existierende Mobilitätsangebote miteinander zu vernetzen.

 

Leichteres Laden von E-Autos:

Die Nachfrage nach E-Fahrzeugen in Deutschland zieht an, bedingt auch durch höhere staatliche Kaufzuschüsse. Aber nicht nur der hohe Preis ließ viele Verbraucher noch zurückschrecken – sondern auch die Angst, dass nicht genügend Ladesäulen zur Verfügung stehen. Zwar gibt es Fortschritte, der Aufbau soll aber beschleunigt werden. Das Laden soll außerdem mit einer einheitlichen Bezahlmethode kundenfreundlicher werden.

 

 

Pressemitteilung, 10.09.2020.