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Schiffe sollen grüner werden
 

Politik und Wirtschaft suchen alternative Kraftstoffe

Die Schifffahrt in Europa soll leistungsfähiger werden und gleichzeitig auf die Einhaltung der Klimaziele hinarbeiten. Darauf haben sich die Verkehrsminister der EU am Dienstag bei einer Konferenz in Hamburg verständigt.

 

„Europa muss Taktgeber sein für einen sauberen Seeverkehr“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Anschluss an die Konferenz. Der Treibstoff der Schiffe werde eine zentrale Rolle spielen für die künftige Technologie. Gegenwärtig sei verflüssigtes Erdgas (LNG) eine gute Möglichkeit, doch werde ebenso an synthetischen Kraftstoffen und Wasserstofftechnologie geforscht.

 

Die Konferenz ist die zentrale Veranstaltung der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Verkehrsbereich. Der Seeverkehr ist laut Verkehrsministerium eine tragende Säule der europäischen Wirtschaft. Etwa 90 Prozent des EU-Außenhandels und rund 40 Prozent des innereuropäischen Warenverkehrs würden über den Seeweg abgewickelt. Wegen des Coronavirus wurde die Konferenz weitgehend virtuell abgehalten; nach Hamburg angereist waren nur vier der 26 Verkehrsminister der EU.

 

Ein wesentlicher Hebel für mehr Umwelt- und Klimaschutz auf See liegt bei der Internationalen Maritimen Organisation (IMO) in London. Sie hat zum Jahresbeginn den Grenzwert für Schwefel im Schiffsbrennstoff drastisch von 3,5 auf 0,5 reduziert. Das hilft der Luftqualität, aber nicht dem Klima. Gegenwärtig kann ein Reeder, der ein Schiff bestellt, nur LNG als klimafreundlichere Alternative zu Schiffsdiesel wählen. Andere Technologien sind nicht marktreif oder verfügbar. Doch auch LNG-Schiffe setzen sich nur langsamdurch, weil der Kraftstoff teurer ist als Schiffsdiesel.

 

LNG sei eine Brückentechnologie und könne schließlich auch einmal in einer synthetischen Variante entstehen, sagte Scheuer: „Wir sollten weitere Kraftstoffvarianten nicht aus dem Blick verlieren.“ LNG reduziert den CO2-Ausstoß der Schiffe lediglich um 20 Prozent und ist deshalb umstritten.

 

Die Grünen kritisierten die Ergebnisse der Hamburger Konferenz. „In Sachen umwelt- und klimafreundliche Schifffahrt muss deutlich mehr passieren“, sagte die Bundestags-Abgeordnete Claudia Müller. „Wir brauchen dringend wirksame europäische Maßnahmen für weniger CO2-Emissionen, begleitet von zusätzlichen Innovationsanreizen für alternative Schiffstreibstoffe.“ Über konkrete Instrumente hatte Scheuer nach der Konferenz nicht berichtet.

 

Für die deutsche Schifffahrt erklärte Alfred Hartmann, Präsident des Verbandes deutscher Reeder (VDR): „Wir hoffen, dass nach dieser Konferenz alle verstanden haben, dass die EU nur dann vorn mit dabei sein wird, wenn wir es gemeinsam schaffen, Europa zu einem Kraftwerk für den Brennstoff der Zukunft zu machen, den die Schifffahrt braucht.“ Dazu brauche es unbedingt hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung. Es wäre der falsche Weg, der Schifffahrt jetzt neue Steuern und Kosten zur Sanierung der öffentlichen Haushalte aufzubürden.

 

Vor dem Ort von Scheuers Pressekonferenz, dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie am Hafenrand, demonstrierten rund zwei Dutzend Menschen für eine verstärkte Rettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer.

 

Pressemitteilung, 09.09.2020.