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Platz für bis zu 15 000 Container
 

Geplantes Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen

Baubeginn des Logistikzentrums für radioaktive Abfälle in Würgassen könnte im Jahr 2023 sein, Genehmigungsanträge für das Projekt sollen Ende 2021 oder Anfang 2022 eingereicht werden: Das haben Vertreter der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt.

 

Gleichzeitig verteidigten sie die Wahl des Standorts in dem Beverunger Stadtteil (Westfalen) und den Zeitpunkt, an dem die Öffentlichkeit informiert worden war. Das war am 6. März geschehen. Seitdem gibt es in der Region Kritik an dem Vorhaben. Wir beantworten Fragen zu dem Zentrum, das bis 2027 fertiggestellt sein soll.

 

Das Logistikzentrum soll schwach- und mittelradioaktiven Atommüll aufnehmen, sortieren und weitertransportieren. Welche Abfälle sind das genau?

 

Das sind zum Großteil Abfälle aus Atomkraftwerken, die beim Betrieb oder beim Abbau im Zuge des Atomausstiegs angefallen sind oder noch anfallen. Dazu gehören laut BGZ getragene Schutzanzüge, Bauteile und Reinigungsmaterialien sowie Filter. Hinzu kommen Abfälle aus der Medizin, etwa aus der Radiologie. Diese sollen ein Drittel des Mülls ausmachen. Es geht nicht um hochradioaktive Materialien wie abgebrannte Brennelemente, deren Transport in Castorbehältern für Schlagzeilen und Proteste sorgt.

 

Wie sollen die strahlenden Abfälle nach Würgassen geliefert werden?

 

Das soll aus bestehenden Zwischenlagern vorwiegend per Zug geschehen. Mit maximal zehn Zugbewegungen über die Sollingbahnstrecke rechnet die BGZ pro Tag. Die Transporte sollen eine Größenordnung von je einem halben Dutzend Containern haben. In diesen normalen Transportcontainern sind dann die eigentlichen, bereits für den Weitertransport fertigen Container aus Stahlblech enthalten. Darin stehen Stahlblechfässer mit Abfällen – die Zwischenräume im Container sind mit Beton verfüllt.

 

Soll es auch Transporte per Lastwagen geben?

 

Ja, allerdings versuche man deren Zahl gering zu halten, sagt die BGZ. Man rechne mit höchstens 20 Lkw pro Tag, eher weniger – normale Transporte, keine speziellen Konvois. Das sei bei 500 bis 900 Lkw-Bewegungen auf den anliegenden Bundesstraßen in vertretbarem Rahmen.

 

Was soll mit den Containern geschehen?

 

Das Logistikzentrum soll die Anlieferung von Atommüll ins Endlager Konrad (Salzgitter) sicherstellen, das für die mit dem Atomausstieg anfallenden schwach- und mittelradioaktiven Abfälle vorgesehen ist. Da die Behältnisse dafür teils unterschiedlich groß und von unterschiedlichem Inhalt sind, soll Würgassen passgenau auf Anforderung Lieferungen für das Endlager zusammenstellen und auf den Weg bringen, so die BGZ.

 

Wie viele Container könnten in Würgassen lagern?

 

Mit einem 325 Meter langen, 125 Meter breiten und 16 Meter hohen Gebäude aus 85 Zentimeter dickem Stahlbeton soll das Logistikzentrum Raum für ein Abfallvolumen von 303 000 Kubikmetern bieten. Das wären laut BGZ rund 15 000 Container. Dieses Volumen werde wegen des steten Umschlags aber wohl nie komplett ausgeschöpft werden. Der Bau soll 450 Millionen Euro kosten.

 

Was soll gegen die Strahlung des Abfalls unternommen werden?

 

Die BGZ sagt, die Strahlung, die man beim Betrieb des Lagers am Außenzaun des Geländes messe, werde nicht höher sein als die natürliche Umgebungsstrahlung. Behältnisse und das Gebäude dienten dabei als Abschirmung. Zudem wolle man auch dort, wo Container angeliefert und weitertransportiert werden, Einhausungen errichten, obwohl dies nicht vorgeschrieben sei.

 

Werden die Container in Würgassen noch einmal geöffnet?

 

Für den überwiegenden Teil der Container gelte das nicht, sagt die BGZ. Ein kleiner Teil allerdings müsse geöffnet werden. Das betreffe sogenannte Mosaikbehälter mit Beton-Bleimantel, in denen mittelradioaktive Abfälle wie Filter für die Betriebsflüssigkeit von Kernkraftwerken lagern. Hierbei müssten vor dem Weitertransport Flüssigkeiten reduziert und Gase abgelassen werden. Auch diese Flüssigkeiten würden wieder entsprechend eingelagert, die Gase gefiltert, Rückstände wiederum für den Transport ins Endlager vorbereitet. Das alles soll in zwei so genannten Caissons geschehen – speziell gesicherten Räumen, die in das große Gebäude integriert werden sollen.

 

Wo gibt es weiterführende Informationen?

 

Dafür gibt es mehrere Angebote im Netz: Zum einen bei der BGZ, die auf logistikzentrum- konrad.de auch ein Frageforum anbietet. Aber auch Gegner des Vorhabens haben Informationen zusammengestellt, etwa die Vereinigung „Atomfreies 3-Ländereck“ unter atomfreies-dle.de.

 

Pressemitteilung, 10.09.2020.