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Conti verschärft Sparkurs
 

Über eine Milliarde Euro Einsparungen jährlich ab 2023

Continental verschärft seinen Sparkurs noch einmal deutlich und treibt den laufenden Umbau im Angesicht der schweren Corona- Einbrüche an einzelnen Standorten weiter voran. Von 2023 an werden laut jüngsten Planungen nun brutto mehr als eine Milliarde Euro an Einsparungen pro Jahr angepeilt, teilte der Dax-Konzern am Dienstag mit.

 

Die jährliche Zielgröße bis 2023 betrug bisher rund 500 Millionen Euro. Der Autozulieferer will die Kosten noch stärker drücken. Zudem wird klarer, welche weiteren Schritte auf das Personal zukommen. Betriebsräte und Gewerkschafter zeigten sich alarmiert.

 

Unklar ist aber noch, was die Einsparungen konkret für die 6890 Beschäftigten der Conti-Werke in Nordhessen und Südniedersachsen bedeuten. „Dass wird momentan noch vertraulich besprochen. Sobald es Ergebnisse dazu gibt, werden wir die Öffentlichkeit aber zeitnah informieren“, sagte Conti-Unternehmenssprecher Vincent Charles auf Anfrage.

 

Die IG Metall fürchtet um Tausende Arbeitsplätze in Hessen. Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte, warf dem Unternehmen am Dienstag konzeptlosen Kahlschlag vor, „den die Beschäftigten nicht hinnehmen werden.“ Köhlinger sorgt sich um Jobs in den Werken in Babenhausen und Karben.

 

Conti wird – wie weite Teile der Autoindustrie – derzeit hart vom Nachfragerückgang in der Coronakrise getroffen. Die Hersteller bestellen weniger, das Geschäft läuft nur langsam wieder an, in China etwas rascher. Hinzu kommt der teure und schwierige Umbau, der die Hannoveraner weg von klassischer Verbrennertechnologie führen soll. 

 

Abbau von Jobs in alten Bereichen 

 

Das im vergangenen Jahr gestartete Programm „Transformation 2019-2029“ ist mit dem Abbau zahlreicher Jobs in alten Bereichen wie Mechanik und Hydraulik verbunden. Parallel will Continental möglichst viele Beschäftigte weiterqualifizieren. Aktuell gehe man davon aus, dass es global Auswirkungen auf 30 000 der über 232 000 Arbeitsplätze gebe, erklärte der Konzern. „Das heißt, sie werden dabei verändert, verlagert oder aufgegeben.“ 13 000 der fraglichen Jobs seien in Deutschland angesiedelt. In der ersten Stufe war von bis zu 20 000 betroffenen Jobs insgesamt und 7000 hierzulande die Rede.

 

„Ein Teil des Transformationsprogramms wurde bereits vollzogen“, hieß es – mit Folgen für bislang etwa 3000 Arbeitsplätze. Jedoch werde es einen Aufbau neuer Stellen geben, die bei Alternativantrieben und Digitaltechnologien entstehen. Man komme zudem von einem hohen Beschäftigungsniveau.

 

Der Konzernbetriebsrat ließ dennoch kein gutes Haar an den Ankündigungen. Dessen Chef Hasan Allak und Vize Lorenz Pfau sprachen von einem „schweren Schlag“ für Unternehmen und Belegschaft. „Der Vorstand greift zum bekannten Strickmuster: Umsatz runter, Kosten runter, Werke dicht machen, Arbeitsplätze streichen.“ Schon vor Corona hatten einige Gewerkschafter gemutmaßt, die Führung wolle Herausforderungen wie den Strukturwandel in der Autobranche auch zum Vorwand für die Abwicklung unliebsamer Sparten nehmen.

 

Nach Conti-Angaben konkretisieren sich die Sparansätze unter dem Eindruck der Pandemiefolgen weiter. So sollen bestimmte Funktionen aus Produktion, Forschung und Entwicklung „an den weltweit wettbewerbsfähigsten Standorten“ zusammengezogen werden. Dazu kommen mehr Automatisierung, Nutzung flexibler Arbeitsmodelle und die „Corona-Brücke“.

 

Im zweiten Quartal war Continental tief in die Verlustzone gerutscht. Der Netto- Fehlbetrag lag zwischen April und Juni bei 741,1 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte es 484,8 Millionen Euro Gewinn gegeben.

 

Pressemitteilung, 02.09.2020.