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EU billigt Zugfusion
 

Alstom darf Bombardiersparte kaufen

Der französische Bahntechnik-Konzern Alstom ist seinem Ziel, sich die Zugsparte des Konkurrenten Bombardier einzuverleiben, ein gutes Stück nähergekommen: Die EU-Kommission gab am Freitag grünes Licht für die Fusion, die den zweitgrößten Zughersteller der Welt mit einem Umsatz von etwa 15 Milliarden Euro und mehr als 9000 Beschäftigten allein in Deutschland schaffen soll.

 

Die Genehmigung der EU-Wettbewerbshüter galt als die höchste Hürde für das Vorhaben. Besonders pikant: Vor einem Jahr waren die Franzosen mit ihrem Versuch, die Bahnsparte von Siemens zu übernehmen, in Brüssel abgeblitzt. Die Genehmigung steht unter dem Vorbehalt, dass sich beide Unternehmen von Teilen ihres Geschäfts trennen, teilten Alstom und die Brüsseler Behörde am Freitag mit. Das Kasseler Bombardier- Werk mit rund 620 Beschäftigten ist davon offenbar nicht betroffen. Nach den Plänen wird sich Bombardier von den Talent 3-Nahverkehrszügen und ihrem Werk in Heringsdorf (Brandenburg) trennen und zudem die Anteile am Hochgeschwindigkeitszug Zefiro V300 abgeben, einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem japanischen Hitachi-Konzern. Alstom wiederum gibt das Werk Reichshoffen im Elsass auf.

 

Unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die EU-Kommission werde Alstom alle weiteren Bombardier-Standorte in Deutschland und seine Beschäftigten übernehmen, hatte Alstom vor Kurzemerklärt. In Kassel montiert Bombardier Elektro-, Diesel- und Zweikraftlokomotiven. Der nordhessische Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels und der hessische Landtagsabgeordnete Wolfgang Decker (beide SPD) werteten die Entscheidung der EU-Kommission und die Ankündigung der Alstom-Geschäftsleitung, in Kassel zum jetzigen Zeitpunkt keine Änderungen vorzunehmen, als positive Nachricht für den traditionellen Kasseler Lokbau Zudem übernehme Alstom mit dem Werk Kassel eine Montageplattform für Loks, die der Konzern in Deutschland bisher nicht habe.

 

Alstom ist für den Hochgeschwindigkeitszug TGV bekannt, baut aber auch Schienenfahrzeuge für den Regional- und Nahverkehr, darunter Wasserstoffzüge, die in Salzgitter entwickelt wurden. Bombardier produziert unter anderem den Intercity. Die europäische Bahnindustrie will unter anderem ein Gegengewicht zum chinesischen Rivalen CRRC schaffen. Dieser ist zwar bislang in Europa noch nicht allzu aktiv, mit einem Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro aber doppelt so groß wie Alstom und die Bombardier-Sparte zusammen.

 

Nach der EU-Kommission müssen noch weitere Behörden in den Ländern zustimmen, in denen Bombardier und Alstom aktiv sind. Die Unternehmen erwarten einen Abschluss des Geschäfts im ersten Halbjahr 2021. Nach früheren Angaben wird der Zukauf die Franzosen 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro kosten.

 

Pressemitteilung, 01.08.2020.