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Vom E-Antrieb zum Hefeteig
 

Getriebebauchef Bernd Löber verlässt das Werk Kassel nach 36 Jahren VW

„Zusammenarbeiten ist ein Erfolg“ – das ist ein Satz, den sich Bernd Löber zu seinem Abschied von der Spitze des Getriebebaus im VW-Werk Kassel in Baunatal notiert hat. 

 

Überhaupt fällt bei dem 59-Jährigen im Gespräch immer wieder das Wort „zusammen“. Seit 2018 war der Altenstädter an der Spitze des größten Arbeitsbereiches am Standort. 

 

Dort war er immerhin Chef von 6000 Beschäftigten. Mit indirekten Funktionen arbeiteten sogar 8000 Menschen an Getrieben, ergänzt Löber, der in diesen Tagen nach insgesamt 36 Jahren VW in Altersteilzeit wechselt. 

 

Der Sohn eines Naumburger Landwirtes sieht sich bis heute als Planer – auch wenn er teilweise in der Fertigung eingesetzt wurde, wie etwa ab 2006 vom damaligen Werkleiter Hans-Helmut Becker im Bau von Abgasanlagen. 

 

Seine Sache sei es, nicht nur auf den nächsten Tag und das nächste Jahr zu schauen, sagt Löber. Er blicke gerne über diese Zeit hinaus. „Was ist denn in drei oder vier Jahren?“, fragt er. 

 

Die Stationen seines beruflichen Werdegangs sind sehr vielfältig. Nach dem Maschinenbaustudium in Kassel fing Löber als Werkzeugplaner bei VW in Wolfsburg an. Auslandserfahrung sammelte der Naumburger etwa im Seat Getriebewerk in El Prat. Dort habe er bereits größere Starts von neuen Getrieben verantwortet, berichtet er. Auch für Getriebewerke in Tschechien und in China war Bernd Löber aktiv, seit 1992 vom Standort Kassel aus. 

 

In diesen Zeiten seien die Arbeitsbedingungen auch in den Hallen in Baunatal noch ein bisschen anders gewesen. „Es hat noch gezischt und gepafft“, sagt der 59-Jährige. Teilweise sei die Tätigkeit an den Montagelinien sehr anstrengend gewesen. „Das ist alles körperlich leichter geworden.“ 

 

Und heute? Der scheidende Getriebebauchef hat beobachtet – vor allem jetzt zu Coronazeiten – dass der Austausch über Video- und Telefonkonferenzen „alles ein Stück unpersönlicher macht“. „Mir ist es lieber Auge in Auge.“ 

 

Zahlreiche im Baunataler Werk gefertigte Direktschaltgetriebe hat Löber ab 2008 ins Laufen gebracht, ab 2018 schließlich als Nachfolger von Hans-Josef Watermeier als Leiter des Getriebebaus. Und ganz aktuell betreut er die Produktion des E-Antriebes für den neuen ID.3. Auch der Elektromotor gehört bei VW zum Getriebebau. 

 

Seinem Nachfolger, Christian Rauch (52, Artikel rechts), hat Löber es leicht gemacht – das ist sicher ebenfalls ein Kennzeichen des Ingenieurs. 

 

Sein Büro habe er bereits freigemacht, berichtet Löber beim Gespräch in seinem „Abschiedsbüro“. „Dann kann mein Nachfolger gleich am richtigen Platz anfangen.“ 

 

Die Zukunft des nordhessischen Werkes sieht der Vater von vier Kindern in der E-Mobilität. Die Herausforderung sei, neben der Batterietechnik neue Wege für die Energieversorgung der Elektromotoren im Auto zu entwickeln. 

 

Für seine private Zukunft setzt sich Löber neben Reisen und Motorradfahren ein paar ungewöhnliche Ziele. Einen großen, alten Traktor der Firma Schlüter wolle er sich kaufen, um wieder etwas Landwirtschaft zu betreiben, sagt er. „Und meine Mutter muss mir beibringen, wie das mit dem Blechkuchen mit Hefeteig geht – so richtig schön mit Zwetschen drauf.“

 

Pressemitteilung, 13.07.2020.