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VW fährt Produktion wieder hoch
 

Im Werk Zwickau läuft der vollelektrische ID.3 vom Band – Zulieferer atmen auf

Zurück ans Band: Nach rund fünf Wochen Corona-Stillstand läuft bei Volkswagen die Autoproduktion langsam wieder an. Den Anfang machte am Donnerstag das Werk im sächsischen Zwickau – mit deutlich geringerem Tempo. „Gesundheit geht vor Stückzahl“, sagte der Geschäftsführer Technik und Logistik bei Volkswagen Sachsen, Reinhard de Vries. Vorerst sollen in nur einer Schicht pro Tag 50 Fahrzeuge gefertigt werden und damit ein Drittel der bisherigen Menge. In Zwickau wird seit November 2019 mit dem vollelektrischen ID.3 das – neben dem Golf 8 – wichtigste neue Modell des Konzerns gebaut.

 

Auch im benachbarten Motorenwerk Chemnitz fährt VW den Betrieb nun schrittweise hoch. Die Gläserne Manufaktur in Dresden, wo seit Donnerstag wieder Autos ausgeliefert werden, soll am Montag folgen – ebenso der Stammsitz Wolfsburg sowie die Fabriken Emden und Hannover. In einigen internen Zulieferwerken der VWGruppe wird schon wieder gearbeitet, weitere Autowerke sollen hinzukommen.

 

Um die Sicherheit der rund 10000 Mitarbeiter an den drei sächsischen Standorten zu gewährleisten, setzt Volkswagen unter anderem auf verschärfte Hygienestandards, strikte Abstandsregeln und kürzere Reinigungsintervalle. In dieser Woche wurden zunächst 1500 Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgeholt, weitere 500 sollen am Montag folgen.

Einer von ihnen ist Heiko Gruner, der sichtlich froh darüber ist, wieder am Band zu stehen. „Mir hat in den letzten Wochen eine Aufgabe und die gewohnte Tagesstruktur gefehlt“, sagt der 49-Jährige. Gerade hat er mit seinem jungen Kollegen Max Brühmann einen Scheinwerfer an der Front eines schwarzen ID.3 eingebaut – mit Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen. „Arbeitshandschuhe trage ich wie 90 Prozent meiner Kollegen immer, aber die Maske ist schon ungewohnt“, räumt er ein.

 

Weil der Scheinwerfer nur zu zweit eingesetzt werden könne und ein Abstand von 1,50 Meter dabei nicht machbar sei, gelte Maskenpflicht, erläutert Holger Hollmann, Leiter der Montagehalle 5. Vor dem Wiederanlauf habe man jede einzelne Arbeitsstation hinsichtlich des Infektionsrisikos neu bewertet. Auch in Waschräumen, Umkleiden und Toiletten sowie beim Mittagessen gilt: Abstand halten. Zudem muss jeder Mitarbeiter vor Arbeitsbeginn einen Selbsttest machen, Temperatur messen inklusive.

 

Neustart auch im Stammwerk
Sein Gesundheitskonzept mit mehr als 100 Einzelmaßnahmen stellt der Autobauer auch seinen weltweit 40000 Lieferanten zur Verfügung. Mit dem Wiederanlauf in Sachsen können die ersten von ihnen etwas aufatmen. „Insbesondere die Zulieferunternehmen, die Komponenten wie Achsen, Cockpits oder Kabelstränge in Sequenz fertigen und den Fahrzeugwerken direkt vorgelagert sind, brauchen den Wiederanlauf dringend“, sagte Dirk Vogel vom Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen (AMZ). Wie werksnahe Dienstleister, beispielsweise aus der Logistikbranche, hätten diese Betriebe kurzfristig keinerlei Alternativen, um sich Aufträge an anderer Stelle zu erschließen.

 

Im slowakischen Bratislava, wo der VW-Konzern etwa große SUVs und Kleinwagen baut, ist die Produktion bereits wieder angelaufen. Besonders wichtig wird zu Beginn kommender Woche dann der Neustart im Wolfsburger Stammwerk, das unter anderem den Golf und Tiguan fertigt.

 

Auch an den westdeutschen VW-Komponenten Standorten (Braunschweig, Salzgitter, Kassel) wird wieder produziert. Eine wichtige Rolle bei der Produktion des ID.3 spielt dabei das konzerneigene Zuliefererwerk im nordhessischen Baunatal bei Kassel. Dort werden wesentliche Komponenten des neuen Elektroautos gebaut. Neben dem E-Antrieb und dem 1-Gang-Getriebe kommen tragende Bau- und Karosserieteile aus Nordhessen, wie der Autobauer mitteilt. Das zweitgrößte VW-Werk in Deutschland produziert darüber hinaus künftig alle E-Antriebe für Europa und Nordamerika. Ein Unternehmenssprecher teilte auf Anfrage mit, die Fertigung im Werk Kassel werde seit vergangenem Montag Stück für Stück wieder hochgefahren.

 

HNA, 24.04.2020 von Claudia Drescher