Logo Regionalmanagement Nordhessen
Deutsch  Deutsch

Jobcenter verstärkt Telefon-Beratung
 

Coronakrise sorgt für erhöhte Nachfrage bei Behörden

Auch beim Jobcenter der Stadt Kassel macht sich die Coronakrise deutlich bemerkbar. Viele Menschen suchen dort Hilfe und Unterstützung. Um den erhöhten Beratungsbedarf decken zu können, hat die Behörde, die seit dem 16. März für den Kundenverkehr geschlossen ist, neben dem bestehenden Service-Center in Wetzlar eine zusätzliche lokale Hotline eingerichtet.


Bis zu 80 der 320 Mitarbeiter, die ansonsten unter anderem im Vermittlungsbereich oder im Arbeitgeber-Service arbeiten, sind freiwillig eingesprungen und betreuen diese Service-Nummer. „Dazu wurden sie kurzfristig in Online-Kursen geschult“, erläutert Geschäftsführer Christian Nübling. „Wir haben versucht, uns schnellstmöglich auf die neue Situation einzustellen.“ Zeitgleich können – wegen technischer Vorgaben – bis zu 30 der Hotline-Mitarbeiter beraten. Da ist Flexibilität und Geduld sowohl bei den Kunden als auch den Mitarbeitern gefragt. Bis zu 100 Anfragen gehen laut Jobcenter täglich bei der lokalen Hotline ein. Tendenz steigend. Unter den Anrufern seien sowohl Bestandskunden, die etwa Fragen zur Bearbeitung eingereichter Unterlagen haben, sagt Jobcenter-Mitarbeiterin Janina Mohr. „Aber es rufen auch viele an, die einen neuen Antrag stellen oder sich erst einmal nur informieren wollen“, berichtet die 34-Jährige.


Manche der Anrufer hätten ihren Betrieb wegen der Corona-Pandemie bereits aufgeben müssen, viele bezögen Kurzarbeitergeld, das für den Lebensunterhalt nicht reiche. Anderen sei bereits gekündigt worden. „Ich hatte in dieser Zeit aber auch ein paar Arbeitsaufnahmen. Darüber bin ich sehr froh“, sagt Mohr.


Die meisten Kunden seien dankbar für die Beratung und freundlich, manche müssten aber auch „mal Dampf ablassen“. Schwierig werde es vor allem, wenn der Anrufer mangelnde Sprachkenntnisse habe. „In der persönlichen Beratung ist ja immer jemand dabei, der übersetzt.“


„Viele Anrufer sind völlig verunsichert von der Situation“, sagt Mohrs Kollegin Sandra Heindl. Sie habe etwa mit vielen Selbstständigen zu tun, die vor dem Bankrott stehen. Belasten sie die persönlichen Schicksale über den Arbeitstag hinaus? „Ich nehme das nicht mit nach Hause. Wir haben hier immer mit Tragödien zu tun“, so die 52-Jährige. Aber auch für die Jobcenter-Mitarbeiter sei die Lage insgesamt bedrückend. „Es wäre schön, wenn alle Kunden freundlich blieben. Wir versuchen das hier gerade auch nur zu händeln.“
Nicole Eckhardt fehlt vor allem der persönliche Kontakt zu den Kunden. „Normalerweise lernen wir die Menschen kennen“, sagt die 31-Jährige. Derzeit sei alles kühler und sachlicher.


Informationen: Das Service-Center sowie die lokale Hotline sind zu den Geschäftszeiten des Jobcenters erreichbar unter Tel.0561/92 999 0 und 0561/92 992 02, jobcenter-stadt-kassel.de

 

https://www.jobcenter-stadt-kassel.de/home/

HNA, 08.04.2020 von Nicole Schippers