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Mobilität ist wichtiger Faktor
 

Die Bevölkerung im Landkreis soll bis 2040 um 7 Prozent zurückgehen, während die Stadt Kassel um 7,8 Prozent wächst. Das geht aus einer Modellrechnung zur Bevölkerungsentwicklung des Statistischen Landesamtes (HSL) hervor. Betrachtet wurden kreisfreie Städte und Landkreise. „Modellrechnungen sind ein hilfreicher Hinweis, werden aber runtergebrochen und können deshalb nicht alles richtig abbilden“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Im Landkreis müsse zwischen den Kommunen differenziert werden.

 

Kühlborn erklärt, dass sich vieles an der Mobilität festmachen lasse: Die Menschen zögen also dorthin, wo die Anbindung an die nächstgrößere Stadt gut sei. Früher habe es drei „Ringe“ um Kassel gegeben: Den ganz nahen, in den viele Menschen ziehen, den mittleren und den außen gelegenen, der am wenigsten Neubürger anzog. Das habe sich geändert – vor allem durch die Regiotram und den Ausbau des Straßenbahnnetzes. „Es gibt eine interessante Entwicklung durch die bessere Anbindung“, sagt Kühlborn. Deshalb könne es sein, dass sich der prognostizierte Bevölkerungsschwund nicht bewahrheitet. Auch Flucht und Zuwanderung führen laut Kühlborn zu Veränderungen des Bevölkerungswachstums, die vorab kaum zu berechnen sind.

 

Im Augenblick herrsche eine gute Arbeitsplatzsituation, dank der eine Familienplanung eher möglich sei. Dafür kehrten junge Menschen immer häufiger in die Heimat zurück. Auch das Thema Wohnraum nehme auf die Bevölkerungsentwicklung Einfluss: Manche Kommunen bräuchten Bauflächen, andere kämpften gegen Leerstand. Außerdem gehe der Trend zur Quartiersentwicklung und weniger dahin, in Randgebieten zu bauen. Allgemein gewinne der Altkreis Kassel Bevölkerung, Wolfhagen und Hofgeismar hingegen verlören Einwohner.

 

Auch Patricia Ruffini von der Regionalentwicklung und Leiterin der Demografie-Agentur des Landkreises Kassel spricht sich dafür aus, jeden Ort einzeln zu betrachten. Zudem geht sie auf den demografischen Wandel ein: 2011 lag das Durchschnittsalter im Kreis Kassel bei 45,7 Jahren, 2017 bei 46,5. Trotzdem sind laut Ruffini 2017 rund ein Drittel mehr Kinder zur Welt gekommen als 2011: In dem Jahr waren es 1596 Kinder, 2017 waren es 2077. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Über-90-Jährigen von 1935 auf 2459 an. Laut Kühlborn ist nicht der Bevölkerungsrückgang die große Herausforderung, sondern eher das Älterwerden. Ruffini fügt hinzu, dass eine „alte“ Kommune keine schlechte Kommune sei – zum Beispiel, wenn es in der Gemeinde ein großes Seniorenheim gebe.

 

Laut Kühlborn arbeitet das Statistische Landesamt mit Fortschreibungen von vorhandenen Tendenzen, also auf Basis vorliegender Zahlen: Derzeit wüchsen die Städte, der ländliche Raum schrumpfe eher. Das spiegele sich dann in den Modellrechnungen wider. Ruffini berichtet, dass sich die Entwicklung von geburtenstarken Jahrgängen relativ logisch errechnen lasse: Wenn vor 20 bis 30 Jahren nur wenige Kinder geboren wurden, kann es heute keinen Babyboom geben, weil gar nicht genug Mütter und Väter dafür da sind. Das Errechnen von Bevölkerungstrends sei hingegen deutlich schwieriger, weil dort mehr mit einwirke als die Geburtenrate.