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Es begann mit Flummis und Autovasen
 

Kasseler Autozulieferer Wegu feiert 70-jähriges Bestehen

„Mehr Sicherheit im Fahrzeug – Verletzungen ausgeschlossen“ – so warb das Kasseler Unternehmen Wegu im Jahr 1963 in einer Anzeige für seine Auto-Blumenvasen aus Gummi. Damals gab es noch blühende Armaturenbretter. Heute sorgen die Wegu-Produkte beispielsweise dafür, dass das Lenkrad im Auto während der Fahrt nicht vibriert. Möglich machen das die Schwingungstilger, die Wegu unter anderem herstellt. Die Dämpfer aus Gummi schlucken die Schwingungen gleichsam. Die Bandbreite der Teile reicht von einem kleinen Tilger, der gerade einmal 20 Gramm wiegt, bis zu einem großen Teil mit einem Gewicht von 13 Kilogramm. „In jedem Auto der Hersteller BMW, Jaguar und Landrover ist mindestens ein Tilger von Wegu“, sagt Geschäftsführer Horst Zimmermann. 70 Jahre nach Gründung der Firma blickt er auf eine bewegte Geschichte zurück.

 

Alles begann 1949 im nordrhein-westfälischen Werl. Damals gründete Walter Dräbing die Firma als Werler Gummi-Union. Wegu produzierte zu der Zeit von Flummis und Schlauchbooten über Radkappen und Fußmatten bis hin zu Jagdbedarf die verschiedensten Teile aus Kunststoff und Gummi.

 

Zehn Jahre später zog Wegu wegen der Zonenrandförderung nach Kassel an die Mündener Straße. Im Laufe der Zeit spezialisierte sich das Unternehmen immer stärker im Bereich Automotiv. 1996 übernahm der Holzmindener Physiker Dr. Herbert Bonrath für den symbolischen Preis von einer Mark sämtliche Gesellschaftsanteile, nachdem das Unternehmen Anfang der 90er-Jahre in eine Krise geraten war.

 

Im Jahr 2005 baute er ein weiteres Werk in der Slowakei und verkaufte das sanierte Unternehmen 2011 an die die Hamburger Beteiligungsgesellschaft DMB (damals Equitrust AG), die Teil einer in Hamburg ansässigen Gruppe des Reeders Erck Rickmers ist. 2015 wurde Wegu schließlich an den chinesischen Komponentenhersteller Zhongding verkauft. Der Konzern mit einem Jahresumsatz von gut 1,7 Milliarden Euro beschäftigt etwa 14 000 Mitarbeiter weltweit.

 

„Ein großer Teil unseres Geschäftes spielt sich inzwischen in Asien ab“, erläutert Zimmermann. Wegu beliefert viele asiatische Kunden, darunter mit der Shanghai Automotive Industry Corporation (Saic) auch die größte chinesische Gruppe von Kfz-Herstellern. Mit dem Produktionsstandort in China lässt sich das nun deutlich leichter bewerkstelligen.

 

In Kassel sind aktuell etwa 270 Mitarbeiter in den Geschäftseinheiten Schwingungsdämpfung und Leichtbausysteme tätig. Wegu ist ein echter Spezialist im Gummi- und Kunststoffbereich. „50 Prozent unserer Produkte sind patentrechtlich geschützt“, sagt Zimmermann. Neben den Schwingungstilgern stellt der Kasseler Standort im Drei-Schicht-Betrieb unter anderem Kotflügel für den Mercedes-Benz-Lkw Actros her. Auch die Entwicklung aller Produkte ist in Kassel ansässig. Zu den Kunden des Unternehmens zählen neben den bereits genannten unter anderem die VW-Gruppe sowie Opel, Volvo, Fiat, Ford und Scania.

 

Die Geschäfte am hiesigen Standort laufen gut. Zimmermann beziffert den Umsatz auf etwa 90 Millionen. Damit das so bleibt, soll die Produktion von Teilen, die auch in Elektroautos gebraucht werden, etwa die elastische Motorlagerung, ausgebaut werden.

Am kommenden Samstag feiert die Firma Wegu ihr 70- jähriges Bestehen mit einem großen Mitarbeiterfest.

 

HNA, 20.08.2019 von Nicole Schippers