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David gegen Goliath
 

Konvekta trotzt Chemiekonzernen mit umweltschonendem Kältemittel CO2

Es sei ein Kampf David gegen Goliath, sagt Carl H. Schmitt. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Schwalmstädter Konvekta AG führt ihn seit vielen Jahren. Seit der Spezialist für Thermosysteme und Transportkühlung 1992 Kohlendioxid als natürliches Kältemittel für den mobilen Einsatz entdeckt hat.

 

Bis heute werden in Klimaanlagen und Kühlgeräten mit Fluorkohlenwasserstoffen (FKW) überwiegend klimaschädliche Kältemittel eingesetzt. Sie schädigen zwar nicht die Ozonschicht, sind aber starke Treibhausgase. „Das am weitesten verbreitete Kältemittel hat ein Treibhauspotenzial, das 1430-mal stärker als CO2  ist“, erläutert Schmitt. Der Weltklimarat habe festgestellt, dass allein Kältemittel zehn Prozent der globalen Emissionen verursachten.

 

Schmitt wollte einen anderen Weg gehen, einen umweltschonenden. „Bei der Suche nach einer Alternative ist unser Entwicklungsteam auf CO2  gestoßen“, so der Firmengründer. Neben dem niedrigen Treibhauspotenzial hat Kohlendioxid den Vorteil, dass es nicht brennt und in normaler Konzentration ungiftig ist.

 

Konvekta trieb daher die Entwicklung der ersten Omnibus-Klimaanlage mit CO2 als Kältemittel voran und stellte sie 1994 auf der Automesse IAA vor. 1996 wurde die erste CO2 -Fahrzeugklimaanlage weltweit in zwei Linienbussen in Bad Hersfeld eingesetzt. 2007 erhielt die Firma für ihre Entwicklung den Deutschen Umweltpreis. „Aber der Autoindustrie erschien die Alternative CO2  zu teuer“, sagt Schmitt. Kohlendioxid ist ein sehr druckintensives Kältemittel. Seine Verwendung macht die grundlegende Neuentwicklung aller Komponenten des Kältekreislaufs erforderlich. Das ist aufwendig und kostet Geld.

 

Und die Konkurrenz, die internationalen Chemiekonzerne Honeywell und Dupont, bietet das Kältemittel R1234yf an. Es galt als umweltschonender als sein Vorgänger, das Kältemittel R134a, das die EU verbot, weil es als Treibhausgas wirkt, wenn es in die Atmosphäre gelangt. Außerdem hat R1234yf für die Autohersteller den Vorteil, dass sich die Substanz praktisch ohne konstruktive Veränderungen in den bisherigen Klimaanlagen einsetzen lässt.

 

Doch das Kältemittel geriet in die Schlagzeilen, weil es bei Tests des Autobauers Daimler zu Bränden kam, bei denen extrem ätzende Flusssäure entstand. Auch das Umweltbundesamt warnt. R-1234yf könne das Trinkwasser belasten. Ansonsten fühlt sich Schmitt von der Politik im Stich gelassen. „Die Bundesregierung und ihre Umweltministerien zeigen kein Interesse“, beklagt er.

 

Doch Schmitt lässt sich nicht entmutigen. Mit einer neu entwickelten CO2 -Wärmepumpe für Elektrobusse feierte Konvekta kürzlich eine Weltpremiere. Die Anlage heizt im Winter und kühlt im Sommer. Sie benötigt keine Diesel-Zusatzheizung und somit keine fossilen Brennstoffe wie Dieselkraftstoff. „Es entstehen also keine Kosten für Brennstoffe und auch keine Abgase“, so Schmitt.

 

Die Wärmepumpe bezieht annähernd zwei Drittel ihres Energiebedarfs aus der Umgebungsluft. Laut Schmitt bringt sie eine Energieeinsparung und bei einem Elektrofahrzeug eine Reichweitenverlängerung von mindestens 50 Prozent. So könne bei Elektrostadtbussen ein emissionsfreier Fahrbetrieb erreicht werden.

 

Schmitts Kampf scheint sich langsam auszuzahlen. Inzwischen ist die Nachfrage nach der CO2 -Wärmepumpe so groß, dass Konvekta eine eigene Produktionslinie für sie in Betrieb genommen hat. Mercedes produziert seit Februar Elektrobusse mit der Konvekta-Wärmepumpe in Serie. Und auch das polnische Unternehmen Solaris Bus & Coach will zum Jahresende in die Serienproduktion gehen.

 

Die Konvekta AG mit Stammsitz in Schwalmstadt und Produktionsstandorten in Barchfeld (Thüringen), Istanbul (Türkei), Buenos Aires (Argentinien), Taicang (China) und Mumbai (Indien) beschäftigt weltweit gut 500 Mitarbeiter, davon 250 in Nordhessen. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2018 bei 63,3 Millionen Euro.

 

HNA, 19.07.2019 von Nicole Schippers