Logo Regionalmanagement Nordhessen
Deutsch  Deutsch

Erdgas-Autos boomen
 

Firma Hexagon verdreifacht Tankproduktion für VW-Konzern

Mit dem neuen Modell ID.3 setzt Volkswagen maßgeblich auf den Elektroantrieb. Ab 2020 soll das erste reine E-Auto des Konzerns mit einer Reichweite von bis zu 550 Kilometern zu haben sein. Der Motor und Teile für die Plattform des ID.3 werden im VW-Werk Kassel in Baunatal gebaut. Parallel favorisiert der Konzern aber noch andere alternative Antriebe: Erdgas und Wasserstoff beispielsweise. Das spürt ganz besonders das Kasseler Unternehmen Hexagon Purus GmbH. Auf dem Firmengelände an der OttoHahn-Straße in Waldau werden die Erdgasbehälter für die Modelle Golf TGI, Audi A 3 Sportsback, Seat Leon und Skoda Octavia produziert. Seit kurzem ist das Unternehmen zudem an der Entwicklung der WasserstoffTechnologie beteiligt.

 

Im Laufe eines Jahres habe man am Standort Kassel die Kapazität verdreifacht, sagen die Hexagon-Geschäftsführer Alfred Walberer und Dr. Michael Kleschinski. Die Zahl der Mitarbeiter sei bereits von 130 im Jahr 2018 auf jetzt knapp 200 erhöht worden. 154 gehörten zum festen Stamm, der Rest sei mit Leiharbeitern besetzt worden. Weitere Mitarbeiter – etwa für die Produktion, die Qualitätssicherung und die Entwicklung werden gesucht.

 

Sechs Millionen Euro investiert das norwegische Unternehmen Hexagon Composites nach Angaben der Geschäftsführer in den Ausbau des nordhessischen Werkes. Erdgasmobilität nehme bei VW inzwischen einen hohen Stellenwert ein, betont Kleschinski. VW wolle 18 Modelle für CNG (Compressed Natural Gas) auf den Markt bringen. „Und wir gehen davon aus, dass das weiter steigen wird“, ergänzt Walberer. Auch der Golf 8, der jetzt im Sommer auf den Markt komme, werde als Erdgasauto zu haben sein.

 

Aufgrund der größeren Nachfrage nach Erdgas-Fahrzeugen wird auf dem Gelände der früheren AEG-Faserverbundtechnik eine weitere Produktionshalle gebaut. Dort entstehen eine neue Wickelanlage zur Herstellung der Erdgas-Behälter sowie eine Ofenanlage für den Trocknungsvorgang. „Das ist ein Teil des Produktionsprozesses, in dem die Kunststoffe ausgekühlt werden“, erläutert Kleschinski. In der zweiten Jahreshälfte soll die neue Technik in Betrieb gehen.

 

Auch im Bereich der Wasserstofftechnologie ist Hexagon unterwegs. Wasserstoff sei der Energieträger der Zukunft, sagt Kleschinski. Von Audi habe das Kasseler Unternehmen jüngst einen Entwicklungsauftrag bekommen. Dabei gehe es um die neue Generation von Wasserstoff-Fahrzeugen, so der Geschäftsführer weiter. Audi habe in diesem Segment derzeit die Marktführerschaft. Insgesamt bestehe Kontakt zu vier Autoherstellern. Mit Wasserstoff habe man die Möglichkeit, Energie „komplett grün zu erzeugen“. Und: „Wasserstoff wird einen erheblichen Anteil an der Mobilität der Zukunft haben.“

 

Egal ob Erdgas oder Wasserstoff – Hexagon will die Speicherbehälter für diese Treibstoffe herstellen. Und wie begegnet man Sicherheitsbedenken, die Kritiker zu dem Transport der explosiven Stoffe in Autos äußern? „Die Sicherheitsstandards sind sehr hoch“, sagt Kleschinski. „Man muss sicher und verantwortungsvoll damit umgehen.“ Am Standort Kassel habe Hexagon über Jahre eine umfangreiche Prüftechnik aufgebaut.

 

Neben dem VW-Werk, das bei den alternativen Antrieben ordentlich mitmischt, tut sich in Nordhessen also Einiges in diesem Bereich. „Wir arbeiten inzwischen schon samstags, um die Bedarfe zu decken“, erläutert Alfred Walberer. „Wir gestalten die Energiewende mit.“

 

HNA, 05.06.2019 von Sven Kühling