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Strom laden während der Fahrt
 

Auf der A 5 bei Frankfurt ist die erste Teststrecke für E-Lkw in Betrieb

Klimaschutz und Schwerlastverkehr auf der Straße, das soll künftig zusammenpassen: Die erste Elektro-Autobahn für den Güterverkehr in Deutschland ist gestern in Südhessen in Betrieb genommen worden. „Wir müssen in innovative Lösungen investieren“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, bei der Inbetriebnahme der Strecke an der A5 zwischen LangenMörfelden und Weiterstadt.

 

„Es ist genau richtig, diese Technik hier auszuprobieren“, sagte der Staatssekretär im hessischen Verkehrsministerium, Jens Deutschendorf, über den A 5-Abschnitt. Hier rollen täglich mehr als 130 000 Fahrzeuge, gut zehn Prozent davon sind Lastwagen. „Wenn das Oberleitungssystem hier funktioniert, dann funktioniert es überall.“ Bis 2022 wollen sich nun fünf Speditionen mit Lastwagen an dem Feldversuch beteiligen. Weitere Feldversuche wird es in BadenWürttemberg und SchleswigHolstein geben. Auf dem A 5- Abschnitt sind in beide Fahrtrichtungen auf der rechten Spur jeweils fünf Kilometer mit Oberleitungsmasten versehen. Kommt ein Lkw mit einem Stromabnehmer in den Bereich der Trasse, wird an die Kabel angedockt (siehe Hintergrund).

 

Das Bundesumweltministerium hat die fünf Kilometer lange Strecke mit knapp 14,6 Millionen Euro finanziert. Weitere rund 15 Millionen Euro sollen laut Schwarzelühr-Sutter in Datensammlungen und Auswertungen bis 2022 fließen.

 

Mit dem Projekt Elisa - die Kurzform für elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen - sollen alle Daten gesammelt werden, die für einen späteren Ausbau des Systems in Deutschland relevant sein könnten. Schätzungen des Ministeriums zufolge kämen in Deutschland rund 1000 Kilometer für einen Ausbau infrage. Die Kosten: Rund eine Million Euro pro Kilometer, also rund eine Milliarde Euro.

 

Untersucht werden sollen Auswirkungen auf den Verkehr, ökologische und ökonomische Aspekte oder auch der Mehraufwand für die Straßenmeistereien, sagte Achim Reußwig von der Verkehrsbehörde Hessen mobil. Unklar sei, wie später der abgezapfte Strom in Rechnung gestellt wird. Während der Projektphase zahlt den das Umweltministerium. Auch was auf die Spediteure zukommen würde, wenn sie ihre Fahrzeugflotten umstellen müssten, ist unklar.

 

Ein Diesel-Hybrid-Lkw mit Stromabnehmer kostet 150 bis 175 Prozent von dem, was ein herkömmlicher Lkw kostet, sagt Thiemo Freyer vom Fahrzeughersteller Scania, der die Prototypen gebaut hat. „Die Technologie ist nicht im Handel, aber marktreif.“ Allerdings liegt die Reichweite der Lkw mit Batterie im Augenblick bei nur zehn Kilometer. Ziel ist Freyer zufolge eine Reichweite von 60 Kilometern.

 

Hintergrund: Die Elektro-Autobahn
Die Hybridlaster (E-Antrieb und Dieselmotor) sind wie Loks mit Stromabnehmern ausgestattet. Erkennen Sensoren im Laster die Oberleitung, werden die Abnehmer ausgefahren. So werden die Elektromotoren mit Strom versorgt und die Batterien aufgeladen. Auf der Teststrecke können die Lasterfahrer überholen, dann übernehmen die Akkus die Energieversorgung. Sollte außerhalb der Teststrecke die Batterie leer sein oder Energie für innerstädtischen Verkehr aufgehoben werden, übernimmt der Dieselmotor.

 

Die Teststrecke auf der A 5 wird laut Hessen Mobil zunächst von fünf Lkw befahren. An dem Test beteiligen sich unter anderem die Speditionen Ludwig Meyer und Hans Adam Schanz sowie die Raiffeisen Waren-Zentrale. Ein nordhessisches Logistikunternehmen ist laut Hessen Mobil nicht beteiligt. Zwei weitere Teststrecken für Elektro-Lkw entstehen derzeit in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg: auf sechs Kilometern auf der A 1 zwischen Reinfeld und Lübeck sowie auf der Bundesstraße 462 im Murgtal.

 

HNA, 08.05.2019 von Oliver Pietschmann