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Mehr Spannung geht kaum
 

KVG testete am Wochenende neue Stromtechnik für die Straßenbahn

Vor 30 Jahren hat eine Straßenbahn noch um die 20 Tonnen Gewicht auf die Schiene gebracht. Klingt viel, ist es aber nicht. „Regiotrams, die ja auch in der Stadt unterwegs sind, wiegen 60 Tonnen, eine Straßenbahn mit Beiwagen über 40 Tonnen“, sagt Mike Heinemann. Der Elektroingenieur ist als Bereichsleiter für die Infrastruktur der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) zuständig. Da stehen in den nächsten Jahren erhebliche Veränderungen an, die auch nicht billig werden.

 

19 Millionen Euro wird die KVG mit Unterstützung des Landes Hessen für eine moderne Stromversorgung der Bahnen investieren. Bei einem Auto würde man sagen, dass die alte PS-Zahl nicht mehr ausreicht. Für die Straßenbahnen und Regiotrams soll die Stromstärke von derzeit 600 Volt auf 750 Volt umgestellt werden. Klingt nicht so schwierig, ist es aber.

 

Deshalb waren am Wochenende alle Beteiligten bei mehreren Testfahrten auch sehr gespannt. Darauf, ob die umgerüstete und schon etwas ältere Bahn auf der vom übrigen Netzt abgetrennten Strecke zur Hessenschanze in Kirchditmold auch fahren würde. Mit mehr Stromspannung, die die Bahn nicht schneller als sonst – das ginge auf der Strecke gar nicht –, sondern stärker machen soll.

 

Spezialisten von Siemens

Bei den neueren Modellen kann man die Stromstärke per Knopfdruck leicht umstellen. Die älteren Bahnen brauchen dafür ein Modul, das bei Siemens als Spezialanfertigung hergestellt wird. „Die Fachleute, die das für die alte Technik noch können, gehen dem nächst in den Ruhestand“, sagt Mike Heinemann. Deshalb standen die Testfahrten jetzt schon auf dem Programm, obwohl die Umstellung des gesamten Streckennetzes von Kassel bis Baunatal, Helsa und Vellmar erst in neun Jahren vorgesehen ist.

 

Denn nicht nur die Bahnen müssen für die höhere Stromspannung vorbereitet werden. Die KVG betreibt 37 sogenannte Unterwerke, die an verschiedenen Punkten im Netz den dort angelieferten Strom in den für Schienenverkehr tauglichen Gleichstrom umwandeln. Die kann man nur in Etappen nachrüsten oder auch komplett neu bauen. Das dauert noch einige Jahre.

 

An der Strecke zur Hessenschanze steht ein bereits umgerüstetes Unterwerk. Damit dort die Testfahrten stattfinden konnten, musste die Strecke ab der Haltestelle Bebelplatz für den regulären Verkehr gesperrt werden. Als Ersatz für die Fahrgäste waren am Wochenende Busse im Einsatz.

 

Die gute Nachricht: Der Test mit dem auf 750 Volt verstärkten Strom lief nach Angaben der KVG ohne größere Probleme. Bis zur Umstellung hat man jetzt noch viel Zeit und die Gewissheit: Auch die alten Bahnen werden es schaffen.

 

HNA, 19.11.2018 von Thomas Siemon