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Unbeschwert in der Stadt unterwegs
 

Universität Kassel konzipiert ein Smartphone-gestütztes System, um den ÖPNV attraktiver zu machen

Wohin mit dem Einkauf, wenn man ohne Auto unterwegs ist und anschließend noch ins Kino will? Und wenn man nach dem Bummel doch mit Bus und Tram nach Hause will: Ist in der nächsten Bahn überhaupt ein Sitzplatz frei? Gibt es nach dem Umstieg eine Anschlussmöglichkeit? „Unbeschwert urban unterwegs“, kurz U-hoch-3, heißt ein von zwei Forschern der Universität Kassel konzipiertes Smartphone-gestütztes Assistenzsystem,das bei eben diesen Fragen ansetzt: Es will die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs stark vereinfachen.

 

„Erstes Ziel ist, die Lebensqualität im urbanen Raum zu verbessern“, sagt Prof. Dr.-Ing. Ludger Schmidt vom Fachgebiet Mensch-Maschine-Systemtechnik. Das könne gelingen, wenn öffentliche Verkehrssysteme attraktiver und folglich Lärm- und Schadstoffbelastung verringert werden. So soll das geplante Assistenzsystem beispielsweise eine separate Gepäckbeförderung ermöglichen, Informationen über die Auslastungen von Bussen oder Straßenbahnen bereitstellen und den Anschluss beim Umsteigen erleichtern. 

Das derzeit gemeinsam mit dem Fachgebiet Verkehrssysteme und Verkehrsplanung (Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer) in der Konzeption befindliche System will seine Nutzer künftig bedarfsgerecht entlang ihrer Reisekette unterstützen.

 

Ein innerstädtischer Lieferdienst können mit Gepäckabgabe, Transport und Zustellung die gesamte Lieferkette abdecken und damit das Einkaufen ohne Auto erleichtern, erläutert Schmidt. Schon jetzt gebe es in Großstädten Lieferdienste – von Lebensmittelhändlern, privaten Anbietern wie Uber oder Fahrradkuriere. Sie gelte es leichter zugänglich zu machen und vor allem in eine Kette einzubinden. „Bereits im Geschäft sollten Kunden an der Kasse angeben können, ob der Einkauf nach Hause transportiert werden soll“, beschreibt Schmidt das mögliche Potenzial des Assistenzsystems.

 

Eine digitale Haltestellen- Anzeige könne zwar abbilden, wann die nächste Tram kommt, nicht aber, wie voll diese ist, erläutert Schmidt. Gemeinsam mit Verkehrs-Verdienstleistern wolle man deshalb evaluieren, wie die Auslastung in Echtzeit angezeigt werden kann. Bietet die nächste Bahn genügend Platz für Einkaufstüten, Kinderwagen oder Rollator – oder nimmt man besser die nächste? Die Informationen sollen individuell auf die Nutzer zugeschnitten werden.

 

Anschluss finden

Zudem erarbeite man ein Konzept zur Anschlusssicherung. Kunden sollen ihre Wünsche signalisieren können, damit Verkehrsbetriebe den Anschluss sicherstellen und verlässliche Informationen dazu bereitstellen können, erläutert Schmidt. Gefördert wird zunächst dieerste Phase des auf insgesamt fünf Jahre angelegten Projekts U-hoch-3 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. In der aktuellen Phase wird das Konzept entwickelt und bewertet; ab 2019 soll es mit weiteren Partnern in die Pilotphase gehen.

 

HNA, 23.01.2018 von Anja Berens