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Von nun an eigenständig
 

Nach VW-Vorstandsbeschluss: Komponenten-Fertigung ist unternehmerische Einheit

Die Neuordnung der Komponenten-Fertigung im Volkswagen-Konzern kommt voran. Die Mitarbeiter-Zeitung "Mittenbestimmen" des Wolfsburger betriebsrates meldete, dass "nach einem Beschluss des Konzernvorstands der Bereich nun eine eigenständige unternehmerische Einheit ist" - über die Markengrenzen des Autoherstellers hinweg. Die Neuausrichtung ist eine wesentliche Säule des Zukunftsprogramms "Together - Strategie 2025". Zu den Komponenten zählen Motoren, Getriebe, Lenkung und mehr. In der neuen Geschäftseinheit innerhalb des Konzerns werden die Aktivitäten gebündelt, noch effizienter ausgerichtet, die Kompetenzen gezielt gestärkt und der Wandel zur E-Mobilität konzernweit vorangetrieben, heißt es. Einfach gesagt: Es entsteht ein hauseigener Zulieferer. Damit habe die neue Einheit künftig die Verantwortung für einen Großteil der Komponentenumfänge innerhalb des Gesamtkonzerns. "Insgesamt 56 Werke verschiedener Marken entwickeln und produzieren mit rund 80 000 Mitarbeitern auf fünf Kontinenten zum Beispiel Motoren, Getriebe und Fahrwerk-Elemente für die Marken des Volkswagen Konzerns", sagt Heiko Hillwig, Sprecher des VW-Werks Kassel in Baunatal. 54 000 von ihnen arbeiten in den Geschäftsfeldern Motor und Getriebe - 17 000 im Werk Kassel.


"Virtuelle Marke"

Derzeit hält sich Wolfsburg bei diesem Thema noch bedeckt. Dem Vernehmen nach ist mit diesem ersten Schritt aber klar, dass die Konzernkomponente Teil der Volkswagen AG bleibt. Leiten wird diese Einheit Komponentenvorstand Thomas Schmall (53), sagt Hillwig. Laut der Mitarbeiterzeitung wird Wolfgang Fueter Personalvorstand, für die Finanzen soll Gerd Müller-Enghausen zuständig sein. Nach Aussagen des Gesamtbetriebsrates Bernd Osterloh bekommt die "Komponente einen Beirat" - eine Art Aufsichtsrat, in dem Betriebsräte von Volkswagen, Audi und Porsche vertretenn sind. Carsten Bätzold, Betriebsratschef im Werk Kassel in Baunatal, sagte gestern, sein letzter Kenntnisstand sei, es werde eine Art "virtuelle Marke". Derzeit würde das Werk über ein Budget gesteuert, also über die Kosten bewertet. Künftig gäbe es eine Gewinn- und Verlustrechnung: "Die Mitarbeiter könnten den Erfolg ihrer Arbeit direkt an den Zahlen ablesen." Für die Beschäftigten bliebe alles beim Alten: VW-Arbeiter bleibe VW-Arbeiter, Audi-Arbeiter Audi-Arbeiter. Die Tarfiverträge hätten Bestand, sagt Bätzold. Im Werk Kassel gibt es bereits eine Komponentenentwicklung, vorrangig für Getriebe. Unter Leitung der Marke VW wurde ein Center of Excellence gegründet, welches die Verantwortung für die Entwicklung, Beschaffung und Qualitätssicherung der Batteriezellen und -module übernimmt. In Salzgitter baut die Marke eine Pilotfertigung auf, um ab 2018 Fertigungs-Wissen zu sammeln.


Geschäft mit Externen?

Durch die neue Organisation können künftig Investitionen, Kosten und Erträge über die Marken hinweg geplant werden. Das könnte künftig aber auch bedeuten, dass die Komponente für Externe fertigt - denn mit größeren Mengen sinkt der Preis. Im Juni wurde bekannt, dass VW der GAZ-Gruppe in Russland 200 000 Motoren aus Salzgitter liefert. Die 2.0 TDI Motoren sollen ab 2019 in GAZ-Nutzfahrzeugen verbaut werden. Aktuell sei das Werk Kassel ausgelastet, Kapazitäten für Aufträge für Dritte gäbe es nicht, meint Betriebsrat Bätzold, "aber die neue Struktur würde so etwas zulassen, entscheiden muss dies aber auch der Vorstand".

 

von Martina Hummel, HNA 11.10.2017